UNI 1st Welt-Kongress
Samstag 8. September
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Kongressnachrichten:
UNI verlangt Maßnahmen gegen Simbabwe
09.09
Stopp der Unterdrückung in Burma
08.09
Die Macht teilen und die Globalisierung neu ausrichten 08.09
Kofi Annan und Walter Riester unterstützen Gewerkschaftsrechte 08.09
Kernpunkt: Organisieren, Organisieren, Organisieren 07.09

Kongress verlangt Freilassung inhaftierter Gewerkschafter
06.09
Die Menschen sind die Verlierer in der instabilen neuen Wirtschaft
06.09
Frank Bsirske, ver.di President
06.09
Wir alle gehören zur UNI-Familie 05.09
Die Welt braucht die UNI ! 05.09
‘Freedom Roll’ rückt Menschenrechte in den Brennpunkt des UNI-Weltkongresses 05.09

Stopp der Unterdrückung in Burma


Maung Maung

Die Delegierten am UNI-Weltkongress in Berlin verurteilten die andauernden Unterdrückungsmaßnahmen des Militärregimes in Burma aufs schärfste und verlangten, dass alle Unternehmen - auch die deutschen Firmen - die weiterhin Geschäftsbeziehungen mit diesem Land unterhalten, unter Druck gesetzt werden.
Der im Exil lebende burmesische Gewerkschaftsführer Maung Maung erhielt großen Beifall für seine Ansprache, in der über die Lage in Burma berichtete und insbesondere über die Arbeitnehmer, die 15 Cents pro Stunde verdienen, und die Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, die in ständiger Angst um ihren Arbeitsplatz und ihre Freiheit leben.
Der UNI-Kongress verlangte eine Verstärkung der Sanktionen der Europäischen Union, die auch ein Investitionsverbot in Burma für EU-Firmen umfassen sollten. Gestützt auf die neuen OECD-Leitlinien für multinationale Unternehmen sollten zudem Beschwerden gegen bestimmte Firmen eingereicht werden.
Die UNI und ihre Mitgliedsorganisationen werden ferner direkt bei den Unternehmen vorstellig werden, die in Burma weiterhin Geschäfte tätigen.
1990 hat die Militärjunta den Wahlsieg der Nationalen Liga für die Demokratie vereitelt und die Leiterin der Liga, Aung San Su Kyi, unter Hausarrest gestellt. Seither ist sie ständigen Schikanierungsmaßnahmen ausgesetzt.
Maung Maung, Generalsekretär des Gewerkschaftsbundes von Burma (FTUB), lebt seit 1988 im Exil; er hatte seinen Arbeitsplatz verloren, ganz einfach weil er einer Gewerkschaft angehörte.
Er erklärte: "Die Arbeitnehmer werden nicht nur der Vereinigungsfreiheit und des Rechts zu Kollektivverhandlungen beraubt, sondern sie werden wie Verbrecher behandelt und zu lebenslänglicher Gefangenschaft verurteilt".
Einige multinationale Unternehmen machen sich die dortigen Verhältnisse zunutze: sie zahlen Armutslöhne, und sie gewähren keinen Mutterschaftsurlaub und keine Ruhezeiten.
Der weiter andauernde Einsatz von Zwangsarbeit in Burma hat zu einer Isolierung des Landes in der Internationalen Arbeitsorganisation geführt. Schätzungen zufolge werden mehrere hunderttausend Männer, Frauen, Kinder und ältere Menschen gezwungen, gegen ihren Willen an irgend einem Tag Arbeit zu leisten.
Maung Maung verlangte internationalen Schutz für diejenigen, die einem hochrangigen IAO-Team gegenüber Aussagen machen, das kurz nach dem Kongress im Zusammenhang mit der Zwangsarbeit eine dreiwöchige Erkundungsmission in Burma durchführen wird.
Er stellte die Frage: "Was geschieht nach der Abreise der IAO-Delegation aus Burma mit Personen, die zu Aussagen bereit sind?"
Mit Hilfe der internationalen Gewerkschaftsbewegung wurde der Gewerkschaftsbund FTUB mit Computern ausgerüstet, um ihm die Kommunikation zu erleichtern, und es wurde eine Website eingerichtet www.tradeunions-burma.org , die besucht und unterstützt werden sollte.
"Nur wenige von uns werden jemals mit Schwierigkeiten konfrontiert sein, die mit denjenigen, die Länder wie Burma erleben, vergleichbar wären", erklärte UNI-Vizepräsident Tony Lennon. Er überreichte Maung Maung eine UNI-Kristallkugel.
Joe de Bruyn, UNI-Asia & Pacific-Präsident, unterbreitete die Erklärung im Namen der UNI und erklärte: "Wir müssen unseren Druck erhöhen, denn nur so wird es möglich sein, den Kampf für Freiheit und Demokratie in diesem Land zu gewinnen."
Joe verlangte auch, dass burmesische Handelsware in Australien mit einem Verbot belegt wird.

Die Macht teilen und die Globalisierung neu ausrichten

"Die Gewerkschaften sind die stillen Partner bei der Schaffung von Globalisierungsregeln, die aber für die Arbeitnehmer sehr schlecht ausgefallen sind", erklärte Eliseo Medina von der amerikanischen Mitgliedsorganisation SEIU auf dem Kongress.
Er sprach von Arbeitnehmerkapital in der Höhe von 17 Billionen Dollar, das in Rentenfonds gebunden ist - Geld, das von Fondsverwaltern auf den Aktienmärkten der Welt investiert wird.
"Unsere Renten helfen mit, die Multis und örtliche Unternehmen zu finanzieren, die wir gewerkschaftlich organisieren wollen, und in denen wir uns für bessere Bedingungen für die Arbeitnehmer einsetzen", so Eliseo.
"Mit unseren Renten tragen wir zu der Finanzierung der Pharmakonzerne bei, die AIDS-Medikamente zu horrenden Preisen verkaufen.
"Unsere Renten werden auch benutzt, um Erdölfirmen, zu finanzieren, die in Burma investieren.
"Unsere Rentenfonds werden von Banken und Finanzhäusern verwaltet, die sich an der Umstrukturierung der koreanischen Wirtschaft beteiligen - mit den auf diesem Kongress aufgezeigten Folgen.
"Wenn wir nicht rasch dafür sorgen, dass unser Geld zu unserem Vorteil eingesetzt wird, werden dies andere tun - zu deren, jedoch nicht zu unserem Vorteil."
Der Kongress verabschiedete ein Aktionsprogramm, in dem eine Anlage des Kapitals der Arbeitnehmer auf ethischer und sozial tragbarer Grundlage verlangt und die enge Zusammenarbeit zwischen der UNI-Arbeitsgruppe "Rentenfonds" und dem gemeinsamen, von den Globalen Gewerkschaften, dem IBFG und dem TUAC gebildeten Ausschuss für Internationale Kooperation in der Frage des Kapitals der Arbeitnehmer bestätigt wird.
Der Kongress beschloss ferner, sich für gut funktionierende öffentliche Altersversorgungssysteme einzusetzen.
Joe Hansen, UFCW, erklärte: "Wenn Unternehmensentscheidungen einen arbeitnehmer- und gewerkschaftsfeindlichen Charakter haben, müssen wir uns über unsere stimmberechtigten Aktien zu Wort melden und auf diesem Weg gegen inakzeptable Managementpraktiken kämpfen, und zwar so lange, bis die globalen Unternehmen in einer für uns annehmbaren Weise handeln".

Kofi Annan und Walter Riester unterstützen Gewerkschaftsrechte

In einer schriftlichen Botschaft an den Kongress betonte UNO-Generalsekretär Kofi Annan, dass seine Global Compact-Initiative zum Ziel hat, universelle Prinzipien - wie zum Beispiel die Kernarbeitsnormen der IAO - zum Bestandteil der Kultur globaler Unternehmen zu machen.


Deutsche Arbeitsminister Walter Riester

Walter Riester, Bundesarbeitsminister, erklärte auf dem Kongress, dass sein Ministerium mit der Internationalen Arbeitsorganisation in Verbindung stehe, um die Rechte der Arbeitnehmer zu einem zentralen Anliegen zu machen. Seine Aussagen wurden von den Delegierten mit Applaus begrüßt wurde.
Er forderte die Gewerkschaften auf, mehrmals jährlich weltweite Organisierungskampagnen zur Verteidigung der Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durchzuführen.
"Die Gewerkschaften müssen zeigen, dass sie das Organisierungsrecht besitzen. Ich weiß, dass es in Industrieländern viele Bereiche gibt, in denen es schwierig ist, auf Gewerkschaftsrechten zu bestehen. Gerade diese Schwierigkeiten müssen wir überwinden, um unsere Forderungen durchzusetzen."
Mit dem vor 18 Monaten lancierten Global Compact sollen weltweit führende Unternehmen dazu gebracht werden, sich formell für die Einhaltung globaler Verhaltensnormen zu engagieren.
Es handelt sich nicht um verbindliche Regeln, erklärte Kofi Annan in seiner Botschaft, jedoch um "einen konkreten Beitrag zu unseren Anstrengungen zur Förderung von Prosperität, Gerechtigkeit und Frieden".
Er dankte der UNI für ihre Unterstützung im Zusammenhang mit dieser Globalen Vereinbarung und betonte abschließend:
"Länder mit starken Gewerkschaften und guten Arbeitsbeziehungen verzeichnen höhere Wachstumsraten und stehen in Bezug auf die Gleichstellung und die Einhaltung von Menschenrechten und demokratischen Grundsprinzipien viel besser da. In der Zusammenarbeit mit ihren Sozialpartnern, mit der IAO und mit anderen Organisationen können die Gewerkschaften solide Fundamente für die Globalisierung schaffen".
Walter Riester - der selbst hohe Gewerkschaftsämter bekleidet hatte - erwähnte die Anstrengungen der deutschen Regierung zur Verringerung der Zahl der Arbeitslosen, die bei seinem Amtsantritt einen Höchststand von 4 Millionen erreicht hatte.
Im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit werden in Deutschland zwei Milliarden DM eingesetzt. Ferner hat die Regierung soeben ein Programm angekündigt, dass die berufliche Integration von 50'000 Behinderten zum Ziel hat.
Neue Mitbestimmungsgesetze gestehen den Beschäftigten das Recht auf Umschulung zu, wenn ihre Kompetenzen und Qualifikationen aufgrund technologischer Veränderungen nicht mehr gefragt sind.
Zu den in Deutschland stark umstrittenen Maßnahmen gehört ein zweites Zusatzrentensystem.

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