UNI 1st Welt-Kongress
Mittwoch 5 September 2001
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Kongressnachrichten:
UNI verlangt Maßnahmen gegen Simbabwe 09.09
Stopp der Unterdrückung in Burma 08.09
Die Macht teilen und die Globalisierung neu ausrichten 08.09
Kofi Annan und Walter Riester unterstützen Gewerkschaftsrechte 08.09
Kernpunkt: Organisieren, Organisieren, Organisieren 07.09
Kongress verlangt Freilassung inhaftierter Gewerkschafter 06.09
Die Menschen sind die Verlierer in der instabilen neuen Wirtschaft 06.09
Frank Bsirske, ver.di President
06.09
Wir alle gehören zur UNI-Familie 05.09
Die Welt braucht die UNI ! 05.09
‘Freedom Roll’ rückt Menschenrechte in den Brennpunkt des UNI-Weltkongresses 05.09

Wir alle gehören zur UNI-Familie


Kurt Van Haaren

Die UNI ist erst 20 Monate alt, besitzt aber bereits ihren Slogan: "Wir sind eine Familie"
Auf der Eröffnungsfeier stimmten Bundespräsident Rau, der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, und die 2000 Delegierten, Beobachter, Botschafter und Gäste in den Song der Weather Girls, "we shall be free" ein.

Die Rede von Bundespräsident Rau kann hier downgeloadet werden

Präsident Rau
"Die Wirtschaft muss im Dienst der Menschen stehen, und nicht umgekehrt", erklärte Bundespräsident Rau, der selbst Gewerkschaftsmitglied ist.
"Gewinnmaximierung - die oft auf Kosten der Arbeitsplätze erfolgt - kann doch nicht das höchste Ziel einer Wirtschaft sein", erklärte er, und erhielt dafür viel Beifall.
"Gewinn ist zweifellos unerlässlich, doch muss damit die Pflicht verbunden sein, den Menschen eine Erwerbstätigkeit und ein Einkommen zu sichern".
Er forderte die Gewerkschaften auf, in der zunehmend globalen Wirtschaft international zu handeln:
"Wir dürfen nicht zulassen, dass mit der Internationalisierung des Kapitals ein Provinzialismus der Gewerkschaften einhergeht".
Bürgermeister Wowereit - ein ver.di-Mitglied, betonte, dass sich die Beschäftigten auch in der neuen Wirtschaft gut verteidigen müssen.
"In einer Zeit der Veränderungen ändert sich eines nicht: wir brauchen nach wie vor starke Gewerkschaften - ohne sie wird es nicht möglich sein, den sozialen Frieden zu verwirklichen".
Die jüngste Rednerin, eine ver.di-Jugendaktivistin, Martina Hartung, berichtete über ihre Tätigkeit mit jungen Menschen im einem Zeitungsverlagshaus. Sie vertritt heute die Jugend landesweit.
"Wir werden junge ArbeitnehmerInnen nur dann für die Gewerkschaften gewinnen können, wenn wir ihre Sprache sprechen", meinte sie.
UNI-Präsident Kurt van Haaren, der den 1. UNI-Weltkongress offiziell eröffnete, forderte die Gewerkschaften auf, im Umgang mit globalen Entscheidungsträgern in den multinationalen Unternehmen eine Gegenmacht zu schaffen.
"Auf diesem Kongress verlangen wir eine Globalisierung sozialer und menschlicher Prägung", erklärte er.
Margret Mönig-Raane leitete im Namen der gastgebenden ver.di die Eröffnungsfeier. Sie wies auf die Bedeutung der vom Kongress zu treffenden Entscheidungen hin und erklärte: "Wir müssen die Interessen aller unserer Mitglieder - in Deutschland und auf der ganzen Welt - wirksam wahrnehmen".
Karl Diller, Parlamentarischer Staatssekretär, präsentierte den Anwesenden eine Kongress-Gedenkbriefmarke und überreichte dem Bundespräsidenten, dem Regierenden Bürgermeister, dem UNI-Präsidenten und dem UNI-Generalsekretär sowie anderen Spitzenfunktionären der Internationale ein Briefmarkenheft.


Margret Moenig-Raane


The Weather Girls

"Wir sind eine Familie" lautete der erste Song der Gruppe; er brachte auf treffende Weise die Gefühle der Delegierten nach dem Zusammenschluss der vier Globalen Gewerkschaften am 1. Januar 2000 zum Ausdruck.
"Wir werden frei sein" ist auch ein Leitmotiv der UNI, die sich die Solidarität durch das Netz zur Aufgabe gemacht hat, und die rasche Reaktion auf Unterstützungsgesuche über das Netz, um Verstöße gegen Menschen- und Gewerkschaftsrechte durch Arbeitgeber und Regierungen in allen Teilen der Welt unverzüglich herauszustellen und zu verurteilen.
Im Rahmen einer beeindruckenden Eröffnungsfeier mit musikalischen und kulturellen Einlagen aus der ganzen Welt wurde die ergreifende Geschichte der Stadt Berlin gezeigt, begleitet von Dudelsackpfeifern, Blechbläsern und Trommelschlägern, und auch "Schmetterlings-Stelzenläufer" fehlten nicht auf der Rednertribüne im Estrel Convention Center.

‘Freedom Roll’ rückt Menschenrechte in den Brennpunkt des UNI-Weltkongresses

Der UNI-Weltkongress ist eröffnet - zum Auftakt stimmten Delegierte und Bundespräsident Johannes Rau in den Song "we shall be free" ein und erklärten: "Wir werden heute Freiheit für alle GewerkschafterInnen in allen Teilen der Welt verlangen".
Im Brennpunkt des ersten Kongresstages wird Korea stehen, wo unzählige Gewerkschafter aufgrund ihrer Gewerkschaftsarbeit im Gefängnis sitzen.
Die Delegierten - die das traditionelle koreanische Stirnband tragen - werden mit einem Gesang (Freiheitsurkunde) die sofortige Freilassung des koreanischen Finanzsektor-Gewerkschaftsführers Lee Yong-Deuk verlangen.
Delegierte aus Korea und anderen Ländern, die an diesem ersten UNI-Weltkongress im Estrel Convention Center in Berlin teilnehmen, werden diese Urkunde morgen, Freitag, um 13 Uhr der Koreanischen Botschaft am Schöneberger Ufer 89-91, 10785 Berlin, überbringen.
Lee Yong-Deuk befindet sich 23 Stunden pro Tag in Einzelhaft, und er muss eine Strafe in dieser Form ein ganzes Jahr lang absitzen, weil er den Kampf seiner Mitglieder gegen die massiven Arbeitsplatzverluste im Zuge der Bankumstrukturierungen angeführt hat.
Er ist Mitglied des UNI-Weltvorstandes und wäre heute zweifellos unter den 1700 Delegierten und Beobachtern in Berlin, wenn er sich auf freiem Fuß befände.
Im Juli hat ihn eine UNI-Delegation im Gefängnis besucht.
"Der Präsident Südkoreas mag wohl einen Friedensnobelpreis haben, doch steht sein Land sehr schlecht da, wenn es um die Achtung internationaler Grundnormen im Bereich der Gewerkschaftsrechte geht", erklärte Christopher Ng, UNI-Asia & Pacific-Regionalsekretär.
Der Kongress wird sich auch mit Gewerkschaftsrechten in Burma, Kolumbien und Simbabwe befassen.
Der im Exil lebende burmesische Gewerkschaftsführer Muang Muang wird über die Unterdrückung der Gewerkschaften durch das Militärregime seines Landes sprechen.
Eine gigantische Photographie der demokratischen Führerin Burmas, Aung San Su Kyi - die unter Hausarrest steht - hing während der UNI-Weltfrauenkonferenz zu Beginn dieser Woche über der Rednertribüne.
Saul Pena aus Kolumbien wird ein Bild von den Verhältnissen in seinem Land zeichnen, dem weltweit gefährlichsten Land für Gewerkschafter - allein im vergangenen Jahr wurden 92 von ihnen getötet.
Am Sonntag werden die Angriffe auf Gewerkschaften unter der Mugabe-Regierung verurteilt werden.
"Gewerkschaften sind wichtige Garanten für die Demokratie auf der ganzen Welt - aus diesem Grund fürchten uns diejenigen, die autoritäre Thesen verfechten", erklärte Christopher Ng.

Weitere Informationen erteilen:

Christopher Ng, UNI-Asia & Pacific-Regionalsekretär 0151 127 24828 (Mobil)
Raul Requena, UNI-Americas-Koregionalsekretär 0151 127 24815 (Mobil)
Noel Howell, UNI Presse-Sekretär 0151 127 24838 (Mobil)
Marion Lehman, Kongress Presse-Sekretärin 0170 910 1973 (Mobil)

Die Welt braucht die UNI !

Die Welt braucht heute dringend eine starke, globale Internationale, so der erste UNI-Präsident anlässlich der Eröffnungsfeier zum UNI-Weltkongress.
"Die UNI setzt sich dafür ein, dass Gewerkschaften und ihre Mitglieder zu globalen Akteuren werden", erklärte er vor Gästen, Delegierten und Beobachtern.
"Die UNI ist die gewerkschaftliche Antwort auf die tiefgreifenden Veränderungen, die durch die weltweite Vernetzung der Arbeit in der Informations-, Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft hervorgerufen wurden".
Das Internet ist die treibende Kraft des Wandels, der alle Unternehmensprozesse in der "alten" und in der "neuen" Wirtschaft in gleichem Maße betrifft, und der - verbunden mit einem rücksichtslosen Aktionärs-Kapitalismus - gigantische Umstrukturierungsprogramme mit massiver Rationalisierung beschleunigt hat, erklärte Kurt.
Die Konvergenz ganzer Industrien und Deregulierungsmaßnahmen gehen Hand in Hand mit der Schaffung supranationaler Konzerne. In vielen Ländern zieht sich der Staat immer mehr aus dem öffentlichen Dienst zurück, und viele private und öffentliche Unternehmen sind heute miteinander verknüpft.
"Wir dürfen das Feld nicht den allmächtigen Multis überlassen und ihnen erlauben, die Weltmärkte unter sich zu verteilen. Diese riesige weltweite Macht verlangt Kontrolle und eine Gegenmacht; die Gewerkschaften haben die dringende Aufgabe, dieses Gegengewicht schaffen.
"Die Reform der Weltwirtschaftsordnung stellt für uns alle ein zentrales Anliegen dar, denn wir stellen fest, dass einige Länder unter der übermäßigen Schuldenlast zusammenbrechen, dass sich die Ungleichheiten verschärfen und dass den Arbeitnehmern und ihren Gewerkschaften häufig nicht einmal die grundlegendsten Rechte gewährt werden."
"Die heutigen Entwicklungen verlangen von der UNI, dass sie ihre Position in allen ihren Zuständigkeitsbereichen ausbaut", erklärte Kurt.
"Die globale Wirtschaft muss neu ausgerichtet werden, es müssen neue Prioritäten gesetzt werden, aufbauend auf Prinzipien wie: nachhaltiges Wachstum, mehr Beschäftigung, humane Arbeit, soziale Gerechtigkeit und weltweite Anerkennung von demokratischen Rechten und Menschenrechten."

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