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Ver.di Präsident, Frank
Bsirske
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
zum ersten Weltkongress von Union Network International begrüße ich alle Delegierten, Gäste und Organisatoren herzlich in Berlin. Hier in Berlin haben sich im März 2001 fünf deutsche
Gewerkschaften zu einer gemeinsamen Dienstleistungsgewerkschaft ver.di mit fast drei Millionen Mitgliedern zusammengeschlossen, um die gewerkschaftliche Kraft zu bündeln. Der
Zusammenschluss von UNI und der Zusammenschluss von ver.di verweist auf aus dieselbe Problemlage, der sich die Gewerkschaften weltweit gegenüber sehen: wie können wir
gewerkschaftliche Macht unter den aktuellen Bedingungen in unseren Ländern und unter dem Druck des internationalen Wettbewerbs erhalten und
ausbauen?
In den Industrieländern ist es der Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft, der im Mittelpunkt steht. Der Arbeitsprozess verändert sich. Von Beschäftigten werden Selbständigkeit, Kreativität
und soziale Kompetenzen verlangt. Das intensiviert die Arbeit, eröffnet aber auch Spielräume für die Gestaltung der eigenen Arbeit. Ver.di registriert eine immer stärkere Differenzierung
von Interessen und Lebenslagen der Beschäftigten im Dienstleistungssektor und wird darauf mit einer differenzierten Interessenvertretung reagieren. Wir wollen neue Gruppen für die
Gewerkschaften gewinnen, beispielsweise selbständig Tätige und hochqualifizierte Beschäftigte in neu entstandenen
Wirtschaftssektoren.
In der internationalen Gewerkschaftsarbeit geht ver.di davon aus, dass Gewerkschaften aus verschiedenen Ländern nicht automatisch dieselben Interessen haben. Auch Gewerkschaften
nehmen teil an der Konkurrenz der Nationalstaaten um Weltmarktpositionen und sorgen sich zunächst um ihre eigenen Mitglieder. Aber eines wissen alle Gewerkschaften: Wir müssen
verhindern, dass wir gegeneinander ausgespielt werden. Dies ist die Basis aller internationalen
Gewerkschaftsarbeit.
Gemeinsam streiten wir dafür, dass die Globalisierungsprozesse politisch und sozial gestaltet werden. Wir verlangen sowohl von unseren nationalen Regierungen als auch von den
internationalen politischen Institutionen eine soziale und gerechte Regulierung der Marktkräfte.
Aber nicht allein die großen Ziele, sondern die konkreten Schritte zur Verbesserung der gewerkschaftlichen Interessenvertretung sind mir wichtig. Ich wünsche mir, dass wir unsere
Ansätze ausbauen. Wir wollen beispielsweise das Recht auf grenzüberschreitende gewerkschaftliche Mitwirkung in internationalen Konzernen. In der Seeschifffahrt gibt es einen
international wirkenden Tarifvertrag, versuchen wir das auch anderswo. Und nehmen wir uns ein Beispiel an der Umweltbewegung, verbessern wir unsere Kampagnefähigkeit!
Zur gemeinsamen Basis der internationalen gewerkschaftlichen Arbeit gehört auch die beständige Arbeit für Menschen- und Gewerkschaftsrechte. Wer wegen des Eintretens für
Menschen- und Gewerkschaftsrechte bedroht oder verfolgt wird, braucht unsere Hilfe und soll sie bekommen.
Ich wünsche mir, dass wir die neuen Möglichkeiten und die Stärke von UNI wirkungsvoll für die internationale Gewerkschaftsarbeit einsetzen. UNI heißt für mich: united, numerous,
intelligent.
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