Was sind globale Rahmenabkommen?
03.10.08


UNI hat bereits Abkommen mit:

  • Ability

  • Carrefour

  • Danske Bank

  • Euradius

  • Falck

  • France Telecom

  • H&M

  • ICOMON

  • ISS

  • Metro

  • NAG

  • Nampak

  • OTE

  • Portugal Telecom

  • Quebecor

  • Securitas

  • Telefónica

  • UPU

 

Contact:

Philip Bowyer, UNI Deputy General Secretary

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Was sind globale Abkommen?
Ein globales Abkommen ist eine Vereinbarung zwischen einem globalen (multinationalen) Unternehmen und UNI Global Union, das im Namen von Gewerkschaften unterzeichnet wird, die die Beschäftigten dieses Unternehmens in allen Teilen der Welt vertreten. 

Weshalb globale Abkommen?
In lokal tätigen Firmen hatten die Gewerkschaften lokale Abkommen, und in national tätigen Unternehmen hatten sie nationale Abkommen. Heute - in einer globalen Wirtschaft - brauchen wir globale Abkommen. 

Was steht für eine Firma auf dem Spiel? Sehr viel!
Da die soziale Verantwortung der Unternehmen heute zu den Schlüsselfragen gehört, schließen die Firmen häufig Leitsätze oder bürgerschaftliche Engagements in ihre Jahresberichte ein.

Wer aber schenkt solchen Aussagen vor einem Hintergrund von Firmenskandalen und Firmenskepsis tatsächlich Glauben?
Ein globales Abkommen ist mehr als ein Versprechen von Seiten des Arbeitgebers. Es handelt sich um einen mit Mitarbeitern der betreffenden Firma unterzeichneten Text, der den Versprechen der Firma Glaubwürdigkeit verleiht, da ihre Einhaltung überprüft werden kann.
Da Investoren und Rentenfonds dem Unternehmens-Image und ethischen Anlagen immer mehr Rechnung tragen, kann dieses Engagement für eine globale Firma ein großes Plus darstellen.

Was enthält ein globales Abkommen? Über den Inhalt entscheiden die globale Gewerkschaft und das betreffende Unternehmen.
In der Praxis bedeutet dies ein Engagement  

  • zur Einhaltung internationaler Standards in Bezug auf die Anerkennung der Vereinigungsfreiheit und des Rechts zu Kollektivverhandlungen und auf Nicht-Diskriminierung in der Beschäftigung,

  • zum Verzicht auf Kinderarbeit und auf Zwangsarbeit,

  • zum Respekt angemessener Arbeitsbedingungen,

  • zur Einhaltung anspruchsvoller Umweltnormen. 

Müssen die nationalen Gewerkschaften ihre Mitbestimmungsrechte aufgeben?
Nein, UNI Global Union hebt nachdrücklich hervor, dass die Schaffung von Gewerkschaftsallianzen, die alle in einem Unternehmen tätigen Gewerkschaften vereinigen, sehr wichtig ist. Sie entscheiden selbst über die Forderungen, die sie stellen wollen, auf welche Weise sie zusammenzuarbeiten gedenken, um ein Abkommen zu erwirken, zu überwachen und durchzusetzen. 

Was beinhalten solche Abkommen für die Gewerkschaften?
Wenn ein Unternehmen bereit ist, die Tür für gewerkschaftliche Organisierung offen zu halten, dann liegt es an den Gewerkschaften, diese Gelegenheit wahrzunehmen und darauf aufzubauen. Immer mehr UNI-Gewerkschaftsallianzen ist es gelungen, Abkommen zu schließen, mit denen Unternehmen ihre Betriebe den Gewerkschaften zugänglich machen. So konnte z.B. eine UNI-Mitgliedsorganisation in Brasilien nach der Unterzeichnung eines solchen Abkommens im betreffenden Unternehmen die Zahl ihrer Mitglieder verdoppeln.
Für Gewerkschaften im Stammland der Firma bedeutet dies, dass internationale Fragen zu einem legitimen Diskussions- und Verhandlungsthema mit der Geschäftsleitung werden. Dies kann z.B. bei Outsourcing- oder Offshoring-Vorhaben einer Firma entscheidend sein.
Einige Gewerkschaften haben eigene Globalisierungsvereinbarungen mit Unternehmen getroffen, die folgende Punkte umfassen:

  • Offshoring-Vorhaben werden vorgängig mit der Gewerkschaft erörtert;

  • Entlassungen werden vermieden;

  • Gewähr, dass die IAO-Normen, auch das Organisierungsrecht, an den neuen Standorten in anderen Ländern respektiert werden.

Sind die Normen mit jedem einzelnen Unternehmen auszuhandeln? Nein.
Die Internationale Arbeitsorganisation (IAO) - Teil des UNO-Systems - hat im Einvernehmen mit Regierungen, Arbeitgebern und Gewerkschaften in praktisch all diesen Fragen Normen geschaffen.
Mit den globalen Abkommen verpflichten sich Arbeitgeber und Gewerkschaften ganz einfach, diese Normen einzuhalten.
 

Geht es darum, globale Löhne und Bedingungen festzusetzen?
Nein, wir sind kein Ersatz für direkte Verhandlungen zwischen Unternehmen und Beschäftigten auf nationaler Ebene. In unserem Globalisierungszeitalter können Unternehmen jedoch Produktion und Dienstleistungen in praktisch alle Teile der Welt verlegen.
Ein globales Abkommen ist eine Möglichkeit für ein Unternehmen, zu zeigen, dass es zivilisierte, international anerkannte Normen überall, wo es tätig ist, einhalten und seinen Mitarbeiter/innen menschenwürdige Arbeit und Arbeitsplätze bieten wird. Mit anderem Wort erklären diese Unternehmen, dass sie wahrhaft sozial engagierte Unternehmen sein werden.

Ja, aber haben sich alle Unternehmen hierzu verpflichtet?
UNI hat bereits Abkommen mit:

  • Carrefour, Frankreich – Handel

  • Danske Bank, Denmark - Finanz

  • Euradius, Niederlande – Graphik

  • Falck, Dänemark – Wartungsdienste

  • France Telecom, Frankreich – Telekom

  • H&M, Schweden – Handel

  • ISS, Dänemark – Wartungsdienste

  • Metro, Deutschland, Handel

  • NAG, Australien - Finanz

  • Nampak, Südafrika - Graphik

  • OTE, Griechenland – Telekom

  • Portugal Telecom, Portugal, Telekom

  • Quebecor, Kanada, - Graphik

  • Securitas, Schweden – Wartungsdienste

  • Telefonica, Spanien – Telekom

  • UPU/WPV (Weltpostverein), UN-Sonderorganisation

und es werden immer noch mehr. 

Wir sind nicht allein
Andere Globale Gewerkschaftsverbände (GGV) haben mehr als 60 Abkommen mit Unternehmen unterzeichnet wie z.B.:

  • BWI mit IKEA (Möbelhaus), Schweden, und Faber-Castell (Büro- und Schreibbedarf), Deutschland,

  • IUL mit Danone (Lebensmittel), Frankreich, und Accor (Hotels) Frankreich,

  • IMB mit Volkswagen (PkW), Deutschland, und Daimler Chrysler (PkW), Deutschland,

  • ICEM mit Statoil (Energie), Norwegen, Endesa (Strom), Spanien,

und weitere mehr. 

Wie können diese Abkommen überwacht werden?
Die Überwachung kann von einfachen Vereinbarungen zwischen dem betreffenden Unternehmen und UNI bis zu professionellen internen Kontrollsystemen, die auf allen Unternehmensstufen eingesetzt werden, reichen.
Die wichtigsten Überwacher sind unsere Gewerkschaftsmitglieder.
Sie können UNI über Entwicklungen, Veränderungen oder Aktionen informieren, die nicht dem Geist des Abkommens entsprechen.
Sie haben die Möglichkeit, ihre Landeszentrale und die globale Gewerkschaft aufzurufen, die Probleme mit dem Unternehmen zur Sprache zu bringen.
Noch wirksamer ist das Verfahren, das regelmäßige Treffen zwischen dem Unternehmen und UNI vorsieht, bei denen Informationen und Meinungen über Fragen betreffend den Betrieb und seine Angestellten ausgetauscht werden. 

Können mit Hilfe solcher Abkommen Streitfälle beigelegt werden?
Globale Abkommen sind nicht für die Beilegung aller Streitfälle, die von Zeit zu Zeit auftreten, bestimmt.
Da sie jedoch den Informationsaustausch fördern und erlauben, die Beschäftigten im Voraus über die Firmenpläne zu unterrichten und zwischen Arbeitgeber und Personal auftretende Probleme herauszustellen, können sie einen wichtigen Beitrag zur Konfliktvermeidung leisten.
Selbst wenn es trotzdem zu einer Auseinandersetzung kommt, können der Dialog zwischen Gewerkschaften und Geschäftsleitung und das gegenseitige Vertrauen helfen, Konflikte dank Vermittlung der globalen Konzernleitung und der UNI rasch einer Lösung zuzuführen.

Was geschieht, wenn ein Arbeitgeber das Abkommen missachtet?

Es handelt sich um eine freiwillige Vereinbarung. Der Arbeitgeber müsste eigentlich gewillt sein, sie zu respektieren.

  • Wenn Tochter- oder Beteiligungsgesellschaften das globale Abkommen nicht einhalten, wird die Muttergesellschaft benachrichtigt. Auf diesem Wege sollten Lösungen gefunden werden können.

  • Wenn die Muttergesellschaft jedoch zögert, einzugreifen, muss ihr klar gemacht werden, dass ihr Ruf und ihr Image auf dem Spiel stehen.

  • Über UNI und unsere Mitgliedsorganisationen in aller Welt können wir dafür sorgen, dass alle über Unternehmen Bescheid wissen, die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen.

Wie kommt man zu solchen Abkommen? "Wer nicht danach fragt, bekommt es nicht."
Am besten tun sich viele zusammen und verlangen es gleichzeitig.
Daher ermutigt UNI zunächst die Bildung von Gewerkschaftsallianzen zur Schaffung von Verbindungen zwischen Gewerkschaften mit Mitgliedern im gleichen Unternehmen in verschiedenen Ländern.
Solche Allianzen wurden in einer Reihe von Firmen eingerichtet.
Die Mitglieder haben die Möglichkeit, über virtuelle Ausschüsse via Internet regelmäßig miteinander in Verbindung zu treten; solche Ausschüsse wurden für DHL, Vodafone, Singtel, SBC und Testra gebildet.
Sie entscheiden sich gemeinsam für die Form des von ihnen gewünschten Abkommens. Erst dann nimmt UNI mit dem Unternehmen Kontakt auf, und die Verhandlungen beginnen.

Nun seid ihr an der Reihe:
Hat eure Gewerkschaft Mitglieder in einem globalen Unternehmen?
Wie geht ihr vor, um

  • ein globales Abkommen über Offshoring zu erreichen?

  • eine globale Allianz von Gewerkschaften im Unternehmen zu bilden?

  • ein globales Abkommen durch UNI auszuhandeln?

Setzt globale Abkommen auf die Agenda eurer Gewerkschaft!

Contact: Philip Bowyer, UNI Deputy General Secretary: philip.bowyer@union-network.org

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