Die koreanische Geschäftsleitung von Carrefour ist einmal mehr
auf Kollisionskurs mit der koreanischen Mitgliedsorganisation von
UNI Handel. Kollektivvertragsverhandlungen entwickeln sich in
unseriöser Weise, die Gewerkschaft wird an der
Mitgliedsrekrutierung gehindert und es gibt einen ernsthaften
Verdacht, dass zumindest ein Teil der Geschäftsführung versucht,
die Gewerkschaft zu vernichten.
UNI Handel arbeitet eng mit der Gewerkschaft in Südkorea und
UNIs Vertreterin in Korea, Jay Choi, zusammen und bemüht sich um
Lösung, bevor die Situation explodiert. Es besteht auch ein
direkter Kontakt zur Geschäftsleitung von Carrefour in Paris und
Seoul. Die nächsten Tage werden entscheidend sein und zeigen, ob
die globale Vereinbarung über Arbeitnehmer- und
Gewerkschaftsrechte zwischen Carrefour und UNI / UNI Handel auch
in Korea effektiv angewendet wird.
Erst kürzlich hatte Carrefour Anzeige gegen die Gewerkschaft
erstattet. Angeblich war es Geschäftsverlusten gekommen, da
Gewerkschaftsmitglieder in ihren Gewerkschaftsjacken zur Arbeit
gekommen waren. Dies aber ist eine übliche und auch bescheidene
Art der koreanischen Gewerkschaften, ihren Protest auszudrücken,
bevor stärkere Massnahmen, wie beispielsweise Streiks, angewendet
werden. Auch ist das Tragen von Jacken absolut legal.
Zudem hatte das Unternehmen der Gewerkschaft mitgeteilt, dass
jegliche weitere finanzielle Unterstützung eingestellt werden
solle. Auch dieser Vorgang würde aber frühere Vereinbarungen und
koreanische Gebräuche verletzen.
Die Gewerkschaft hat selbstverständlich auf diese Massnahmen
des örtlichen Personalmanagers von Carrefour reagiert. Ein
Ein-Mann-Streikposten demonstrierte vor der französischen
Botschaft in Seoul. Die Gewerkschaft klagt nun ausserdem gegen den
Bürgermeister von Chonju City, weil er nicht eingeschritten war,
als Carrefour auf der Beschäftigungsmesse Falschaussagen über
die offenen Positionen machte. Das Unternehmen hatte
Arbeitssuchende darüber im Unklaren gelassen, dass sie in
Wahrheit von einer Zeitarbeitsfirma und nicht von Carrefour selbst
beschäftigt werden würden.
UNI Handel besteht darauf, dass die Geschäftsleitung der
Carrefour Gruppe in Paris, sowie das verantwortliche
Landesmanagement in Korea die direkte Verantwortung zur Lösung
der Situation übernimmt, bevor es zum offenen Konflikt kommt.
Weitere Verhandlungen werden in dieser Woche erwartet.