24.03.2005

Uni logo
Handel

Uni logo
Commerce
work in multinational
companies - Englisch

Uni logo
Commerce Lidl Pages - Englisch

 

 

Hartdiscounter mit zweifelhaftem Stirnband-Ruhm von Lieferanten attackiert:
Lidl-Warenlager durch aufgebrachte Bauern blockiert - "Preiskriege bedrohen unsere Zukunft"

Mehrere Lidl Vertriebszentren in Nord- und Ostdeutschland wurden in den frühen Morgenstunden durch aufgebrachte Bauern blockiert. Unterstützt von ihrer Gewerkschaft erklärten sie, dass die niedrigen Milchpreise bei Lidl und Aldi ihre Zukunftsperspektiven zerstörten.

Etwa 120 Landwirte versperrten die Zufahrtsstrassen zu Lidls Zentralverteilungszentrum in Buchholz, südlich von Hamburg, während weitere 150 Bauern den Verkehr zum Aldizentrum in Horst, Schleswig Holstein, aufhielten.

Der Protest der Bauern richtet sich gegen die andauernden Preiskämpfe im deutschen Einzelhandel, die von zwei Hartdiscountern und dem US-Multiriesen Wal-Mart ausgetragen werden. Zusätzlich einer ernsthaften Bedrohung der Landwirtschaft in Deutschland kann ein übertriebener Druck auf die Produktionskosten auch die Nahrungsmittelqualität und -sicherheit negativ beeinflussen und wieder zu langen Tiertransporten führen. Erst in der vergangene Woche war der jüngste Fleischskandal in Deutschland enthüllt worden.

Auch Nahrungsmittelsicherheit und Tierschutz sind gefährdet

Auch die Landwirte in der Schweiz, wo sowohl Aldi als auch Lidl sich derzeit zu positionieren versuchen, haben ihre wachsende Besorgnis geäussert. Die Bauern dort befürchten, dass Nahrungsmittelproduktion im Alpenland, wo Bauernhöfe eher klein und die Kosten sehr hoch sind, nahezu unmöglich gemacht wird.

Besonders Lidl ist sein brutales Vorgehen gegen Lieferanten und Geschäftspartner berüchtigt. Erst vor wenigen Tagen hatte die Werbeagentur Economia aus diesen Gründen seinen Vertrag mit der Billigladen-Kette aufgekündigt.

Die Mailbox von ver.di, der deutschen Mitgliedsorganisation von UNI Handel, wurde von Berichten aus erster Hand nahezu überflutet. Angestellte des Unternehmens berichten dort über die miserablen Arbeitsbedingungen, unter denen sie bei Lidl zu leiden haben, und über die Methoden, mit denen sie unmissverständlich daran gehindert werden, ihrer Gewerkschaft beizutreten.

Lidls Stirnband-Affaire war der Einzelhandelsskandal des Jaheres

Aber auch ausserhalb Deutschlands ist Lidls mieserables Arbeitgeberverhalten ethisch unakzeptabel. Ein grosser Skandal erschütterte den Hartdiscounter im letzten Jahr, als berichtet wurde, dass man von den Arbeitnehmerinnen in der Tschechischen Republik verlangte, ein spezielles Stirnband während der Zeit ihrer Monatsblutung zu tragen, wenn sie während der Arbeitszeit auf die Toilette gehen wollten. Der Artikel wurde zunächst von der tschechischen Presse herausgegeben, aber auch die tschechischen Kontakte von UNI Handel erzählten, dass sie an den Wahrheitsgehalt dieser Geschichte durchaus glaubten. Die Geschäftsleitung von Lidl dementierte natürlich und betonte ihre Position auch in einem Brief an UNI Handel, der auf dieser Webseite veröffentlicht ist.

Lidl hat inzwischen sein langes Schweigen gebrochen und ist in die Öffentlichkeit getreten, um sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen. Die ersten Versuche waren dennoch nicht von Erfolg gekrönt. Als Hauptgeschäftsführer Klaus Gehrig sich bemühte, der Presse zu versichern, dass sein Unternehmen sich in Wahrheit verhalte wie alle anderen auch, gab es verärgerte Reaktionen von Seiten der grössten Mitbewerber: Sprich für Dich selbst, forderten sie.

Nach Informationen von UNI Handel ist Lidl der einzige führende Einzelhändler, der seinen Arbeitnehmer verbietet, während der Arbeitszeit auf die Toilette zu gehen. Zufällig veranstaltete UNI Handel eine internationale Konferenz in seiner Zentrale in Nyon, Schweiz, gerade zu der Zeit, als der Skandal um die Stirnbänder seinen Höhepunkt fand. Teilnehmenden Spitzenvertreter von Europas führenden Einzelhandelsunternehmen fiel es sichtlich schwer, ihre Belustigung über die Stirnband-Affaire zu verdecken, obwohl sie über den Mitbewerber gleichermassen verärgert waren. Lidl, so sagen sie, zerstört gerade in den neuen Märkten den hervorragenden Ruf des deutschen Unternehmertums.

- So etwas gibt es bei uns nicht, versicht einer, unsere Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen dürfen selbstverständlich zur Toilette gehen, wenn es nötig ist. Dabei schreiben wir ihnen nicht vor, wann es nötig ist und wann nicht.