14.03.2007
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Gewerkschaften und Discounter LiDL: Mit Filialbesuchen und grenzüberschreitenden Solidaritätsaktionen machten sich europäische Gewerkschaften am Internationalen Frauentag für bessere Arbeitsbedingungen bei dem Discounter Lidl und Kaufland stark. In Deutschland, Italien, Österreich, Polen und Kroatien besuchten Gewerkschafter/innen Filialen, verteilten Blumen und ermunterten die Beschäftigten, ihre Rechte einzufordern. Mit grenzüberschreitenden Filialbesuchen in der Tschechischen Republik, Frankreich und Rumänien zeigten Aktive ihre Solidarität mit den Beschäftigten. In Kundgebungen und Flugblattaktionen vor Filialen wurden Kunden und Öffentlichkeit auf bestehende Missstände aufmerksam gemacht und aufgefordert, sich für die Einhaltung geltender Sozialstandards einzusetzen. Bei den Filialbesuchen zeigten sich Beschäftigte in Berlin, Hamburg, Stuttgart, Göttingen, Nürnberg und anderen Städten Deutschlands erfreut. Anders als in vorangegangenen Jahren kam es in deutschen Filialen nicht zu Aggressionen von Führungskräften oder Hausverboten. In einer Petition an die Familien- und Frauenministerin Ursula von der Leyen forderte ver.di die Einrichtung von Betriebsräten bei Lidl.
Filialbesuche in Italien Die italienische Gewerkschaft CGIL organisierte in Kooperation mit deutschen Gewerkschafter/innen aus Hessen Filialbesuche in mehreren Städten der Emilia Romagna. Protestaktionen in Bologna fanden besonders grosse Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit in den Medien. Besuche gab es auch in den Grenzgebieten Deutschland, Polen und Tschechische Republik. Mit einem gemeinsamen Kaufland - Seminar verstärkten die tschechische Gewerkschaft OSPO und ver.di ihre Kooperation. In Polen wurden erstmalig vor wenigen Monaten in einer Lidl-Verkaufsregion im Osten des Landes eine Betriebsgewerkschaft durchgesetzt. Sie ermunterte Beschäftigte umliegender Filialen, für ihre Rechte einzutreten. In Frankreich lag der Schwerpunkt der Aktionen in Clichy im Norden Paris. Dort gibt es derzeit massive Auseinandersetzungen in Lidl Filialen. Eine ver.di Delegation besuchte Beschäftigte und Vertreter/innen der CGT vor Ort, übergab eine Solidaritätsadresse und vereinbarte einen Gegenbesuch in Deutschland. In Rumänien gab es gemeinsame Kaufland-Filialaktionen mit ver.di und der Handelsgewerkschaft FSCL in Bukarest. In Zagreb in Kroatien besuchte die Gewerkschaft CTUC Lidl-Filialen und beteiligte sich an Protesten zum Internationalen Frauentag vor dem Parlament. Derweil berichtete die britische Tageszeitung „The Guardian“ in ihrer Beilage am 14. März über unhaltbare Missstände auch in Lidl Filialen in England und Irland. ver.di und Handelsgewerkschaften in Europa wollen in den nächsten Monaten gemeinsam mit dem internationalen Dachverband UNI und in Kooperation mit Nichtregierungs-Organisationen (NGO’s) ihren Einsatz verstärken.
Hintergrund Die Discountkette Lidl und die Warenhauskette Kaufland gehören zum deutschen Schwarz Konzern, der mit über 40 Milliarden Euro Umsatz zu den grössten und aggressiv expandierenden Handelskonzernen Europas zählt. In 23 Ländern Europas arbeiten rund 200 000 Beschäftigte, die meisten sind Frauen mit prekären Arbeitsbedingungen. Die deutsche Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hatte im vergangenen Jahr im „Schwarz Buch Lidl Europa“ mit Berichten aus 20 Ländern vielfältige, teils schwerwiegende Missstände in den Filialen und Verstösse gegen international geltende Arbeits- und Sozialstandards aufgedeckt. Den gemeinsamen Aktionen am 08. März waren Proteste wegen öffentlich geförderter Kredite der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung von deutschen, britischen und rumänischen Gewerkschaften und dem bankenkritischen Netzwerk CEE Bankwatch vorausgegangen. Gewerkschaften in Europa verstärken in den nächsten Monaten ihre Aktivitäten bei Lidl, Kaufland und weiteren Discountern. Das Schwarz Buch Lidl Europa dokumentiert auch, dass immer dann, wenn Beschäftigte sich gemeinsam mit ihren Gewerkschaften für ihre eigenen Anliegen stark machen, Lidl sein Verhalten korrigiert. So konnten beispielsweise in Skandinavien und Beneluxstaaten gewerkschaftliche Vertretungen in den Filialen und branchenübliche Arbeitsstandards durchgesetzt werden.
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