23.02. 2005
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Finnisches Fernsehen
geht mit Lidl hart ins Gericht:
Deutscher Harddiscounter als schlechter Arbeitgeber und Bedrohung für Verbraucher und Lieferanten entlarvt Der deutsche Harddiscounter Lidl kam in einer Fernsehnachrichtensendung des finnischen öffentlichen Kanals zur besten Sendezeit am Sonntag abend sehr schlecht davon. Ehemalige Mitarbeiter sprachen über drakonische Kontrollen und erniedrigende Behandlung durch die Manager. Aber nicht jeder traute es sich offen darüber zu reden. Zwei ehemalige Abteilungsleiter bestätigten, dass sie zwar viel zu sagen, aber zu grosse Angst vor den Folgen hätten.- Prinzipiell mussten wir unsere Überstunden in der Freizeit abfeiern, sagt "Laura", ein ehemalige Abteilungsleiterin. Sie fügt hinzu, dass Abteilungsleitern versichert worden war, sie wären von diesen Regeln nicht betroffen. Ich habe nicht mal durchgerechnet wie viele zusätzliche Stunden ich für nichts und wieder nichts gearbeitet habe. "Laura" erzählt auch von Lidls Besessenheit, seine Mitarbeiter zu kontrollieren: - Sie trauen beispielsweise der Verkäuferin nicht. Wenn sie eine Banane als Pausenmahlzeit mit zur Arbeit bringt, muss sie diese dem Abteilungsleiter zeigen und beweisen, dass sie sie in einem anderen Laden gekauft und nicht gestohlen hat. Und für absolut alles muss man eine Quittung bereithalten können.
Junge Arbeitnehmerin vor den Kollegen blamiert Eine andere ehemalige Mitarbeiterin, Nia Kajaste, eine junge Frau, die kaum ihre Lehre beendet hatte, berichtet, wie Manager sie vor allen Kollegen blamiert hatten: - Ich erinnere mich gut daran, dass wir einmal Obst und Gemüse dorthin legten, wo es hingehörte, in Kartons, die übereinander gestapelt werden. Dies muss so erledigt werden, dass alle mehr oder weniger auf der gleichen Höhe liegen und kein Platz dazwischen bleibt. - Ich hatte einen kleinen Platz gelassen, etwa handbreit, und alle Mitarbeiter wurden gerufen und sollten auf meinen Fehler starren. Sie hörten nicht auf mich zu kritisieren und anzuklagen, was ich da getan hätte.
Versteckte Geldkuverts im fehlgeschlagenen Versuch, den Arbeitnehmern etwas anzuhängen Juha Ojala, verantwortlich für Tarifverhandlungen in PAM, der finnischen Mitgliedsorganisation von UNI Handel, bestätigte dieses Bild von Lidls Vorgehensweise durch das Personalmanagement. Ende des vergangenen Jahres hatte das Management Geldumschläge in einigen Läden versteckt. Sie wurden von Arbeitnehmern gefunden, die sie den Abteilungsleitern übergaben. - Was soll auf diese Art kontrolliert werden? Auf wen zielen diese Aktionen ab? Was soll dadurch erreicht werden? Dies bleibt uns weiterhin ein Geheimnis, so Juha Ojala.
Lidl kann für Verbraucher noch sehr teuer werden Jan Furstenborg von UNI Handel fasst die generelleren Befürchtungen über Lidls möglichen Einfluss auf dem finnischen Markt zusammen. Die Verbraucher werden langfristig zu leiden haben: - Viele glauben, dass Niedrigpreise immer günstig für den Verbraucher sind, so Furstenborg. - Aber der Preis dafür könnte sein, dass beispielsweise Nahrungsmittelsicherheit leiden und die Produktqualität sinkt. Wir werden wieder Tiertransporte auf überlangen Distanzen erleben müssen und die Produktentwicklung wird geopfert werden. Am Ende des Tages werden die Verbraucher eine kleinere Auswahl haben, wenn der Preis das einzige Wettbewerbskriterium bleiben sollte. Der Geschäftsführer von Lidl Finnland hatte es abgelehnt persönlich in der Sendung aufzutreten. Einige seiner Kommentare wurden dennoch zitiert. Insgesamt sei er nicht glücklich über diese Angelegenheiten - er sagte auch, dass er dem Verstecken von Umschlägen ein Ende gesetzt hätte, einer Idee, die jemand gedankenlos aus Deutschland importiert haben soll. Lidl hat die Erwartungen in Finnland nicht erreicht und mit der Zeit wird immer offensichtlicher, dass die deutschen Harddiscounter grösste Schwierigkeiten haben, sich der nordischen Kultur der respektvollen Arbeitsbeziehungen anzupassen. Kürzliche Umfragen ergaben, dass das Vertrauen der Verbraucher in Lidl im Vergleich zu den Hauptkonkurrenten dramatisch gesunken ist.
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