21.12. 2005
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Lidl treibt den Handel in
Kroatien zu gemeinsamen Schutzaktionen der Unternehmen und Arbeitnehmer Die Arbeitnehmer im deutschen Hartdiscounter Lidl, der mit 3500 Läden in Europa vertreten ist, schuften unter nahezu sklavenähnlichen Bedingungen, stellt die kroatische Mitgliedsorganisation von UNI Handel fest. Das Unternehmen ist kürzlich in den kroatischen Markt eingetreten und plant eine rasche Expansion im Zukunftsland der Europäischen Union. - Pausen, freie Tage und Urlaube kommen bei Lidl so gut wie gar nicht vor. Dafür nimmt die Kette bei der Verletzung von Arbeitnehmerrechten eine europäischen Spitzenplatz ein, so die Präsidentin der Handelsgewerkschaft, Ana Kneževic.
Mit Hilfe der Verdolmetschung von Alex Rüdig (UNI Handel) sprach Ana Kneževic (rechts) im August zum UNI Weltkongress. Kneževic beurteilt den Markteintritt von Lidl als ernsthafte Bedrohung. Die Erfolgsgeschichte des Hartdiscounters ist armselig, wenn es um Arbeitsbeziehungen geht. Es kursieren Horrorgeschichten über das Verhalten des Arbeitgebers gegenüber dem eigenen Personal. Die deutsche UNI Mitgliedsorganisation ver.di gab vor einiger Zeit das "Schwarzbuch" heraus, welches von der Handelsgewerkschaft in Zagreb bereits auf kroatisch übersetzt und herausgegeben wurde. - Die Einrichtung von Betriebsräten und die Ausübung gewerkschaftlicher Aktionen bei Lidl in Deutschland ist so gut wie unmöglich. Deshalb war der breiten Öffentlichkeit nur sehr wenig darüber bekannt, was bei Lidl hinter den Kulissen geschieht. Die Kette hat einen jährlichen Umsatz von 36 Milliarden Euro, berichtete die Gewerkschaftspräsidentin.- Im letzten Jahr entfachte das Schwarzbuch über Lidl einen Mediensturm und wirbelte Leidenschaften hoch. Bisher hat sich der Sturm nicht gelegt. Gestern wurde zudem das Buch von der Gewerkschaft in kroatischer Sprache vorgestellt. In diesem Buch legte ver.di erschreckende Augenzeugenberichte von Arbeitnehmern aus Deutschland, Österreich und der Tschechischen Republik vor.Klima der Angst - Wenn die Augenzeugenberichte der Arbeitnehmer eine Indikation sind, dann basiert die Geschäftsphilosophie auf einer ständigen Beobachtung der Arbeitnehmer, auf einem Klima der Angst, auf Drohung und Verletzung der fundamentalen Rechte, aber auch auf dem expliziten Verbot der Organisierung von Arbeitnehmern in Betriebsräte oder Gewerkschaften. So sieht Ana Kneževic die Rolle von Rolle. Gudrun Giese, Ko-Autorin des Schwarzbuches, Journalistin und Gewerkschaftsaktivistin der deutschen Gewerkschaft ver.di, betonte gestern in Zagreb, dass Lidl eine der billigsten Supermarktketten in Deutschland sei und zwar auf Kosten der Arbeitnehmer. Lidls aggressives Marktverhalten begann bereits früh in den Fünfzigern, als die ersten Läden mit Billigwaren und sehr ärmlich entlohnten Arbeitskräften eröffnet wurden. - Vor einigen Jahren nahmen wir Kontakt zu Arbeitnehmern bei Lidl auf, weil wir erfuhren, dass es ihnen verboten worden war, einen Betriebsrat zu gründen. Wir waren erstaunt, da die deutsche Rechtgebung dies in jedem Unternehmen ermöglicht, welches mehr als fünf Arbeitnehmer beschäftigt. Als wir näher hinschauten, fanden wir heraus, dass Betriebsräte nur in acht von 2600 Läden in Deutschland bestanden. Wir kamen auf die Idee, diese Zustände in einem Dokument herauszugeben und so entstand unser Buch, erklärte Giese. Auch im Ausland hat Lidl die unschmeichelhafte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und der Medien erlangt. Der Stirnband-Skandal wird vermutlich niemals vergessen werden, obwohl das Unternehmen versucht hatte, diesen abzustreiten. Im vergangenen Jahre war berichtet worden, dass der deutsche Harddiscounter von den weiblichen Arbeitnehmerinnen in der Tschechischen Republik verlangt hatte, während ihrer Monatsperiode besondere Stirnbänder zu tragen. Andernfalls sollte ihnen nicht gestattet werden, die Toilette während der Arbeitszeit aufzusuchen.Coops auf möglichen unfairen Wettbewerb vorbereitet Auch lokale Mitbewerber wie die grösste Koop-Kette des Landes, Konzum, bereiten sich auf die Marktexpansion Lidls in Kroatien vor. - Lidl will Konzum in der Anzahl der Läden und in der Umsatzhöhe einholen, erklärte Geschäftsführer Drago Munjiza. Aber die Arbeitnehmer der Koop fürchteten sich davor nicht, weil Konzum sie weiterhin als das grösste Vermögen des Unternehmens behandeln wolle. - Wenn Lidl mit Billigpreisen und Billiglöhnen in unseren Markt eintritt, werden die kroatischen Ketten wettbewerbsunfähig werden und dies dürfen wir nicht zulassen. Das können wir nur durch gemeinsames Handeln und einer Partnerschaft zwischen der Regierung und den Sozialpartnern schaffen, so Munjiza.
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