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Handel
Commerce
work in multinational
companies - Englisch
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Lidl Schwarzbuch von
UNI Handel und ver.di auf englisch herausgegeben
Das Lidl Schwarzbuch ist als gemeinsames Projekt von UNI Handel und
ver.di in englischer Sprache herausgegeben worden. Es erzählt die
Erfahrungen hauptsächlich von Arbeitnehmern von Lidl in Deutschland und
legt die miserablen Arbeitsbeziehungen des Hartdiscounters offen. Der
Discounter mit dem zweifelhaften Stirnband-Ruhm, der europaweit
vertreten ist und unaufhörlich wächst, ist der Vorfrontmann für die
Walmartisierung des Arbeitslebens in Europa.
Der vermutlich meist beachtete Skandal um Lidl entstand nach der
Berichterstattung über eine Zwangsbestimmung für Arbeitnehmerinnen bei
Lidl in der Tschechischen Republik, die angeblich während ihrer
Monatsperiode besondere Stirnbänder tragen sollten, um während der
Arbeitszeit die Toilette aufsuchen zu dürfen. Ohne dieses sichtbare
Erkennungszeichen waren sie, wie alle anderen Arbeitnehmer, bis zur
nächsten Arbeitspause an ihre Kassen- oder andere Arbeitsbereiche
gebunden.
Einzelhändler mit Stirnband-Ruhm
Der tschechische Lidl-Skandal, den das Management von sich weist und
behauptet, er hätte niemals stattgefunden, wurde durch die
Öffentlichkeit in äusserster Schärfe verurteilt und von Mitbewerbern
spöttisch verlacht. Topmanager anderer deutscher Einzelhandelsriesen,
die an einer Konferenz in UNIs Zentrale in Nyon teilnahmen als die
Meldungen laut wurden, äusserten, sie hätten sich diesen Vorgang sehr
gut vorstellen können - in ihrem Unternehmen aber, betonten sie, dürften
die Arbeitnehmer die Toiletten aufsuchen, wenn es nötig sei.
Obwohl das Lidl Schwarzbuch die Geschichte des Stirnbandes nicht
aufgreift, und ganz gleich, ob sie so geschehen ist oder nicht, was nie
wirklich nachgewiesen werden konnte, es vermittelt einen Eindruck des
empörenden Verhaltens der Geschäftsleitung. Vor allem zuhause in
Deutschland scheint das Unternehmen ein System des Angstmanagements
etabliert zu haben. Jeder Arbeitnehmer wird verdächtigt und jeder soll
sich fürchten.
Kein Platz für Gewerkschaften
Wie bei Wal-Mart sollen Gewerkschaften in Lidls Universum keinen Platz
finden. Gewerkschaftsbekämpfung ist an der Tagesordnung und die
amöbenhafte Struktur, welches das Schwarz-Imperium geschaffen hat,
ermöglicht es, weitere Versuche der Schaffung normaler
Arbeitnehmervertretungsstrukturen zu verhindern. Trotzdem schreitet
ver.di bei der Mitgliedsrekrutierung und Stärkung der gewerkschaftlichen
Strukturen bei Lidl voran.
Ausserhalb Deutschlands scheint sich das Unternehmen an die Realität der
lokalen Gesetzgebung und an die Regeln zu halten, vor allem in den
nordischen Ländern, wo die gewerkschaftliche Organisationsrate besonders
hoch ist. Lidl ist dort dem Arbeitgeberverband beigetreten und setzt
Tarifvereinbarungen um. Aber auch dort zeigt das Unternehmen inzwischen
seine Krokodilszähne. Es wird immer offensichtlicher, dass der
Hartdiscounter Schwierigkeiten damit hat, sich der Kultur und den
Gewohnheiten des Gastlandes anzupassen.
Niedriges Verbrauchervertrauen
Billigpreise sind eine der vielen Gemeinsamkeiten mit Wal-Mart.
Ansonsten fällt es dem deutschen Handelsmulti schwer, das Vertrauen der
Kunden zu binden. Verbraucherumfragen drücken Lidl regelmässig in die
letzte Reihe zurück, weit hinter seine grossformatigen und vielseitigen
Mitbewerber. Wichtig ist dabei zu erwähnen, dass diese üblicherweise
auch wesentlich bessere Arbeitgeber sind, die sich im konstruktiven
Sozialdialog mit den Handelsgewerkschaften engagieren.
Die vielen Gemeinsamkeiten zwischen Lidl und Wal-Mart sind sicherlich
kein Zufall. Was die kommerziellen Ideen anbelangt, so ist Lidl ein
Abklatsch des Marktführers der Discounter, Aldi, auch zuhause in
Deutschland. Wal-Mart hingegen dient als Modell für
Arbeitgeberverhalten, sowie das Auftreten gegenüber den Produzenten und
Lieferanten. In Europa ist Lidl de facto zum Vorfrontmann bei der
Walmartisierung des Lebens geworden.
Lidl - ein Ausbeutungsbetrieb?
Nur selten wird in der logistischen Kette von Lidl die Frage nach der
sozialen Unternehmensverantwortung gestellt. Während sich andere
führende Einzelhändler mehr oder weniger erfolgreich darum bemühen, die
Richtlinien der sozialen Unternehmensverantwortung umzusetzen, hat man
Lidl davon nicht einmal sprechen gehört. Es ist äusserst positiv zu
bewerten, dass die Medien und Nichtregierungsorganisationen, die faire
Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen an Produktionsstätten in China
und in anderen Länder verlangen, ein kritisches Auge auf Einzelhändler
gerichtet halten. Es wäre gleichermassen gut, wenn auch Lidl, Aldi und
anderen Diskountern diese Aufmerksamkeit zuteil werden würde. Viele
Ausbeuterbetriebe könnten wohl enttarnt werden, wenn man den
Billigpreisen nachginge.
Der Titel dieser veröffentlichten Sammlung von Negativbeispielen spielt
auf Firmengründer Dieter Schwarz an, der noch immer im Hintergrund die
Fäden zieht. Exemplare der englischsprachigen Ausgabe können direkt bei
ver.di in Berlin bestellt werden.
Bestellung: "Black Book"
"The Black Book on the Schwarz Retail Company"
von Andreas Hamann und Gudrun Giese
Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, UNI Commerce
Berlin, Nyon Dezember 2005
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