09.08.2005

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Wieder einmal brutales Vorgehen des deutschen Hartdiscounters:
Lidl schliesst den Laden, dessen Arbeitnehmer am Streik von ver.di teilgenommen hatten

Der deutsche Hartdiscounter Lidl reagierte brutal, nachdem Arbeitnehmer aus Calw an einem Streik zur Beschleunigung von Tarifvertragsverhandlungen im Handel teilgenommen hatten. Das Unternehmen reagierte prompt und entschied sich zur Geschäftsschliessung, obschon sowohl der Umsatz als auch die Kundenzahl wuchs. Es ist nicht schwer zu erkennen, wie sehr dieser Fall der Vorgehensweise von Wal-Mart ähnelt, welches 200 Arbeitnehmer in De Jonquière, Kanada, auf die Strasse setzte und damit einen profitablen Laden schloss, weil die Arbeitnehmer sich bei UFCW organisieren wollten.

Wie sein Vorbild geht auch Lidl bis zum äussersten, um die Geschäfte in Deutschland so gewerkschaftsfrei wie möglich zu halten. Wenn Arbeitnehmer die Initiative zur Betriebsratswahl ergreifen, werden sie entlassen, so wie Andrea Krätzner aus München. Zunächst hatte die Geschäftsleitung versucht, ihr zu Beginn einer Arbeitsschicht etwas anzuhängen, indem man ihr 25 Euro weniger gab, als in ihrer Kasse hätte sein sollen. Als sie sich beschwerte, sagte man ihr, sie bilde sich etwas ein. Zwei Wochen später wurde ihr jedoch fristlos gekündigt, angeblich wegen schlechten Benehmens während der vorhergehenden Diskussion um den Kasseninhalt.

Der deutsche Hartdiscounter befindet sich nun unter wachsendem Angriff der Gemeinden und religiöser Gruppen, Politiker und den Medien. Verbraucherschutzgruppen sammeln Unterschriften und protestieren so gegen das unsoziale Verhalten des Unternehmens. Margret Mönig-Raane, Stellvertretende Vorsitzende von ver.di, der deutschen Mitgliedsorganisation von UNI Handel, sieht rechtlichen Handlungsbedarf wegen Verhinderung und Zugnichtemachung von Betriebsräten.

Inzwischen deuten einige Berichte an, dass Lidl vorsichtiger in der Behandlung der Arbeitnehmer werde. Das schlechte öffentliche Image und die anhaltende Kritik von ver.di trägt offensichtlich Früchte und Manager sollen angeblich dazu angehalten worden sein, weniger brutal als bisher vorzugehen, besonders im Umgang mit älteren Arbeitnehmern.

Andere wiederum sagen, es hätte sich tatsächlich gar nichts geändert. Ein Kunde in Heilbronn zeigte sich schockiert, als er einen Arbeitnehmer von Lidl sah, wie er, auf dem Boden liegend, anfrierende Gerätschaften mit einer Zahnbürste schrubbte. Aber auch Ladenmanager werden entlassen, wenn sie zu lange Zeit für gewisse Tätigkeiten benötigen und auch ihnen wird die Zeit für Toilettengänge von der Arbeitszeit abgezogen.

Vielleicht lässt sich dies dennoch als Verbesserung anerkennen, wenn man an die Berichte zurückdenkt, dass Arbeitnehmerinnen in der Tschechischen Republik besondere Stirnbänder tragen mussten, um während ihrer Monatsperiode überhaupt öfter zur Toliette gehen zu dürfen.