24.03.2005

Uni logo
Handel

Uni logo
Commerce
work in multinational
companies - Englisch

Uni logo
Commerce Lidl Pages - Englisch

 

Lidl bleibt unter Beschuss: Ver.di stellt in Berlin ihre neue Lidl-Zeitung "Schwarz-Markt" vor

Der Fachbereich Handel der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, deutsche Mitgliedsorganisation von UNI Handel, hat gestern in Berlin auf einer Pressekonferenz ihre neue Vierteljahreszeitung "Schwarz-Markt" vorgestellt. Das Infoblatt, das nun regelmässig in allen ver.di-Bezirken erscheinen soll, wird sich, im Gegensatz zu bisherigen Gewerkschaftszeitungen, ausschliesslich auf den Hartdiscounter Lidl konzentrieren. Dabei soll über Entwicklungen und Neuigkeiten aus dem Unternehmen berichtet und skandalträchtige Misstände in den Filialen beleuchtet werden. Auch geplagte Arbeitnehmer sollen selbst zu Wort kommen.

Der "Schwarz-Markt" ist ein weiterer Teil der grossangelegten Kampagne, die ver.di schon im vergangenen Jahr begonnen und die einen grossen Höhepunkt bereits durch die Veröffentlichung des "Schwarzbuches" erlebt hatte. Eine breite Öffentlichkeit in Deutschland war durch das Buch auf die miserablen Arbeitgebermethoden, die die Billigladen-Kette aus Neckarsulm praktiziert, aufmerksam gemacht worden und hatte erstmals von den vielfältigen Erniedrigungen und Belastungen erfahren, die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen bei Lidl täglich ertragen müssen.

Der Schwarz-Markt soll nun den Druck auf das Unternehmen stetig erhöhen. Die Kampfansage an Lidl soll langfristig nicht nur dazu führen, dass der Unternehmer die menschenverachtenden Repressalien gegen die Arbeitnehmerschaft einstellt, sondern vor allem dazu, dass die Mitarbeiter in den rund 2600 Filialen in Deutschland Vertreter wählen dürfen, die sich für ihre Interessen und Forderungen einsetzen.

Wie lange die erfolgreiche Umsetzung des ambitionierten Zieles dauern wird, ist derzeit noch unklar. Fest steht aber, dass der Fachbereich Handel von ver.di sich auf diesem eingeschlagenen Weg nicht mehr aufhalten lassen wird. Die Möglichkeit eines Boykottaufrufes, der im "Schwarz-Markt" diskutiert wird, steht derzeit zwar noch nicht auf dem Programm der Gewerkschaft, wird aber in letzter Konsequenz auch nicht ausgeschlossen. Erfolgversprechend könnte eine Massnahme dieser Art tatsächlich sein. In einer Umfrage der Online-Ausgabe des Magazins "Stern" zur Frage, ob man als Kunde Lidl boykottieren sollte, antworteten Leser gestern abend bereits zu 65% mit "ja".

Internationale Zusammenarbeit der Mitglieder von UNI Handel soll intensiviert werden

Nach einer internationalen Konferenz im finnischen Tampere, zu der UNI Handel Vertreter aller Handelsgwerkschaften aus den europäischen Ländern eingeladen hatte, in denen Lidl bereits vertreten ist, wurde durch die Länderberichte erstmals auch klar, wie rücksichtslos und systemathisch das gewerkschaftsfeindliche Unternehmen seine Geschäftsziele durchsetzt und nicht nur Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen sondern auch Lieferanten und Geschäftspartner unter Druck setzt. Die Konferenzteilnehmer haben beschlossen, sich künftig regelmässig über die Entwicklungen bei Lidl in ihren Ländern zu informieren und enger zusammenzuarbeiten.