14.08.2006

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Handel

 

 

Tengelmann erniedrigt Angestellte in der Tschechischen Republik: "Wir werden die tschechischen Säue schon schuften lehren"

Lidl eher als Tengelmann ist daheim in Deutschland für schlechtes Arbeitgeberverhalten und Gewerkschaftsfeindlichkeit bekannt. Jenseits der Grenze zur Tschechischen Republik macht Tengelmanns Diskounterkette sich nun aber durch miserable Behandlung der organisierten Arbeitnehmer einen schlechten Namen. Kein Wunder, dass bereits in den kommenden Tagen eine breitangelegte Gewerkschaftsaktion erwartet wird.

Plus, Tengelmanns Diskounterkette, unternimmt in der Tschechischen Republik derzeit eine besonders abscheuliche gewerkschaftsfeindliche Kampagne. Gleichzeitig werden die organisierten Arbeitnehmer in einer Art und Weise beleidigt, die Lidls so genannten 'Stirnbandskandal' in frische Erinnerung ruft. Die Geschäftsleiter von Tengelmann in Prag haben ganz offensichtlich völlig ausser Acht gelassen, was sie damals über Arbeitsbeziehungen hätte lernen können.

"Wir werden die tschechischen Säue schon schuften lehren!"

Alexandr Leiner, Vorsitzender von OSPO, der tschechischen Mitgliedsorganisation von UNI Handel, ist kritisch und empört:

- Die Manager von PLUS Discount steigern ihre Aggressivität und Vulgarität gegenüber den Beschäftigten auf ein unerträgliches Mass, vor allem gegen diejenigen, die - wie sie sehr wohl wissen - gewerkschaftlich organisiert sind, so Alexandr Leiner.

- Bemerkungen an die Adresse der beschäftigten Frauen, wie beispielsweise "Wir werden die tschechischen Säue schon schuften lehren" muss man mindestens für verdammenswert halten, fügt er hinzu.

Die Gewerkschaft plant nun eine massive Protestaktion gegen die schwerwiegenden Arbeitnehmerrechtsverletzungen durch das Unternehmen und das beleidigende und geschmacklose Verhalten ihrer Topmanager.

Die Gewerkschaftsorganisation in Tengelmanns PLUS Discount wurde 2004 gegründet und der erste Entwurf eines Tarifvertrages wurde dem Arbeitgeber im September desselben Jahres vorgeschlagen. Am 29. November begannen die ersten Verhandlungen. Die Geschäftsführung verweigerte aber jegliche Stellungnahme zum vorgelegten Vorschlag.

 

Der gesamte Gewerkschaftsausschuss wurde gefeuert

Stattdessen wurden alle Mitglieder des lokalen Gewerkschaftsausschusses gefeuert. Das Unternehmen allerdings erklärte, man hätte sich einvernehmlich voneinander getrennt, berichtet Leiner. Danach hätte die Gewerkschaft wiederholt nach Aufnahme von Tarifvertragsverhandlungen gefragt. Vom deutschen Einzelhandelsmulti hätte man allerdings keine Antwort erhalten.

Ein überarbeiteter Vorschlag wurde der Geschäftsführung von PLUS schliesslich im Februar 2005 vorgelegt. Einen Monat später erbat sich das Unternehmen einen Aufschub, so dass das Management Zeit hätte, den Vorschlag in Ruhe zu lesen. Schliesslich erhielt die Gewerkschaft am 15. April eine völlig unerheblich Reaktion.

Anstatt tatsächlich Verhandlungen aufzunehmen, intensivierte das Unternehmen seine Bemühungen, um die Gewerkschaft aufzulösen:

- Wir können nachweisen, dass sie Hunderttausende Kronen für die Auszahlung von Gewerkschaftsvertretern ausgegeben haben, die bereit waren, zu gehen, betont OSPO.

 

Noch immer kein Tarifvertrag für die tschechischen Arbeitnehmer

Noch immer gibt es keinen Tarifvertrag für die Arbeitnehmer vom Tengelmann PLUS Discount. OSPO und die gesamte tschechisch-mährische Gewerkschaftsbewegung hat den deutschen Einzelhandelsmulti wegen der "unseriösen Vorgangsweise des PLUS Discount Managements" stark kritisiert. Nun soll eine Gewerkschaftsaktion gegen das Unternehmen durchgeführt werden, um breite Aufmerksamkeit auf dieses unakzeptable Verhalten zu lenken.

Die Probleme bei Tengelmann in der Tschechischen Republik sind nicht beispiellos. Von einer ähnlichen Absage an ernsthafte Tarifvertragsverhandlungen berichteten auch die spanischen Gewerkschaften. Ver.di hatte das Thema bereits der deutschen Geschäftsleitung vorgetragen, bisher jedoch ohne ein konkretes Ergebnis.

Auf seiner Website präsentiert sich der deutsche Konzern selbst als modernes und international aufgeschlossenes Unternehmen. Das Unternehmen ist in 15 Ländern vertreten, mit mehr als 7500 Märkten und weit über 183 000 Angestellten. Es macht einen Jahresumsatz von nahezu 27 Milliarden € (35 Billion USD).

Tengelmann wird von seinen Eigentümern, der Familie Haub, kontrolliert. Erivan Haub, der Vater, besitzt 50%, seine Söhne Karl-Erivan, Christian und Georg Haub jeweils 16% Anteil am Geschäft. Vielleicht erfahren Vater und Söhne tatsächlich nicht, was derzeit in grossen Teilen ihres Grosskonzerns geschieht. Daheim in Deutschland laufen die Arbeitsbeziehungen ja normal ab.