| Tengelmann
erniedrigt Angestellte in der Tschechischen Republik: "Wir
werden die tschechischen Säue schon schuften lehren"

Lidl eher als Tengelmann ist daheim in Deutschland für
schlechtes Arbeitgeberverhalten und Gewerkschaftsfeindlichkeit
bekannt. Jenseits der Grenze zur Tschechischen Republik macht
Tengelmanns Diskounterkette sich nun aber durch miserable
Behandlung der organisierten Arbeitnehmer einen schlechten
Namen. Kein Wunder, dass bereits in den kommenden Tagen eine
breitangelegte Gewerkschaftsaktion erwartet wird.
Plus, Tengelmanns Diskounterkette, unternimmt in der
Tschechischen Republik derzeit eine besonders abscheuliche
gewerkschaftsfeindliche Kampagne. Gleichzeitig werden die
organisierten Arbeitnehmer in einer Art und Weise beleidigt, die
Lidls so genannten 'Stirnbandskandal' in frische Erinnerung
ruft. Die Geschäftsleiter von Tengelmann in Prag haben ganz
offensichtlich völlig ausser Acht gelassen, was sie damals über
Arbeitsbeziehungen hätte lernen können.
"Wir werden die tschechischen Säue schon schuften lehren!"
Alexandr Leiner, Vorsitzender von OSPO, der tschechischen
Mitgliedsorganisation von UNI Handel, ist kritisch und empört:
- Die Manager von PLUS Discount steigern ihre Aggressivität
und Vulgarität gegenüber den Beschäftigten auf ein
unerträgliches Mass, vor allem gegen diejenigen, die - wie sie
sehr wohl wissen - gewerkschaftlich organisiert sind, so
Alexandr Leiner.
- Bemerkungen an die Adresse der beschäftigten Frauen, wie
beispielsweise "Wir werden die tschechischen Säue schon schuften
lehren" muss man mindestens für verdammenswert halten, fügt er
hinzu.
Die Gewerkschaft plant nun eine massive Protestaktion gegen
die schwerwiegenden Arbeitnehmerrechtsverletzungen durch das
Unternehmen und das beleidigende und geschmacklose Verhalten
ihrer Topmanager.
Die Gewerkschaftsorganisation in Tengelmanns PLUS Discount
wurde 2004 gegründet und der erste Entwurf eines Tarifvertrages
wurde dem Arbeitgeber im September desselben Jahres
vorgeschlagen. Am 29. November begannen die ersten
Verhandlungen. Die Geschäftsführung verweigerte aber jegliche
Stellungnahme zum vorgelegten Vorschlag.
Der gesamte Gewerkschaftsausschuss wurde gefeuert
Stattdessen wurden alle Mitglieder des lokalen
Gewerkschaftsausschusses gefeuert. Das Unternehmen allerdings
erklärte, man hätte sich einvernehmlich voneinander getrennt,
berichtet Leiner. Danach hätte die Gewerkschaft wiederholt nach
Aufnahme von Tarifvertragsverhandlungen gefragt. Vom deutschen
Einzelhandelsmulti hätte man allerdings keine Antwort erhalten.
Ein überarbeiteter Vorschlag wurde der Geschäftsführung von
PLUS schliesslich im Februar 2005 vorgelegt. Einen Monat später
erbat sich das Unternehmen einen Aufschub, so dass das
Management Zeit hätte, den Vorschlag in Ruhe zu lesen.
Schliesslich erhielt die Gewerkschaft am 15. April eine völlig
unerheblich Reaktion.
Anstatt tatsächlich Verhandlungen aufzunehmen, intensivierte
das Unternehmen seine Bemühungen, um die Gewerkschaft
aufzulösen:
- Wir können nachweisen, dass sie Hunderttausende Kronen für
die Auszahlung von Gewerkschaftsvertretern ausgegeben haben, die
bereit waren, zu gehen, betont OSPO.
Noch immer kein Tarifvertrag für die tschechischen
Arbeitnehmer
Noch immer gibt es keinen Tarifvertrag für die Arbeitnehmer
vom Tengelmann PLUS Discount. OSPO und die gesamte
tschechisch-mährische Gewerkschaftsbewegung hat den deutschen
Einzelhandelsmulti wegen der "unseriösen Vorgangsweise des PLUS
Discount Managements" stark kritisiert. Nun soll eine
Gewerkschaftsaktion gegen das Unternehmen durchgeführt werden,
um breite Aufmerksamkeit auf dieses unakzeptable Verhalten zu
lenken.
Die Probleme bei Tengelmann in der Tschechischen Republik
sind nicht beispiellos. Von einer ähnlichen Absage an ernsthafte
Tarifvertragsverhandlungen berichteten auch die spanischen
Gewerkschaften. Ver.di hatte das Thema bereits der deutschen
Geschäftsleitung vorgetragen, bisher jedoch ohne ein konkretes
Ergebnis.
Auf seiner Website präsentiert sich der deutsche Konzern
selbst als modernes und international aufgeschlossenes
Unternehmen. Das Unternehmen ist in 15 Ländern vertreten, mit
mehr als 7500 Märkten und weit über 183 000 Angestellten. Es
macht einen Jahresumsatz von nahezu 27 Milliarden € (35 Billion
USD).
Tengelmann wird von seinen Eigentümern, der Familie Haub,
kontrolliert. Erivan Haub, der Vater, besitzt 50%, seine Söhne
Karl-Erivan, Christian und Georg Haub jeweils 16% Anteil am
Geschäft. Vielleicht erfahren Vater und Söhne tatsächlich nicht,
was derzeit in grossen Teilen ihres Grosskonzerns geschieht.
Daheim in Deutschland laufen die Arbeitsbeziehungen ja normal
ab. |