|

Handel
Commerce
work in multinational
companies - Englisch

Commerce
Wal-Mart pages - English
|
Sozialdumping führte zum Misserfolg:
Wal-Mart verliert durch Fiasko in Deutschland 4.5 Milliarden
DollarWal-Marts Verluste
in Deutschland sind weitaus grösser als bisher vermutet. Die
führende deutsche Industriezeitung, die
Lebensmittelzeitung,
schätzt, dass der Handelsmulti aus Bentonville insgesamt 3.5
Milliarden Euro verheizt hat, bevor er schliesslich das Handtuch
geworfen hat. Die operativen Verluste betrugen allein für die
Jahre 2000 bis 2004 um die 1.8 Milliarden Euro.

Dieser Wal-Mart-Laden in Berlin ist einer von 85 Märkten, die
der Konzern an Metro verkauft hat. Metro ist weltweit der
drittgrösste Einzelhändler. Das deutsche Abenteuer des
amerikanischen Handelsmultis aus Bentonville stellte sich
dagegen als teurer Flop heraus. Die Verluste werden bereits
zwischen 4.2 und 4.5 Milliarden US Dollar vermutet.
Walmartisierung zahlt sich nicht aus. Dies wurde schon früh in
diesem Sommer klar, als der Einzelhandelsriese Südkorea
verlassen musste.
Wal-Marts Weggang aus Deutschland ist ein Sieg für den
Hauptmitbewerber, die Metro Gruppe. Real, Metros Grossmarktkette,
wird nun die 85 Läden übernehmen, in denen nahezu 11 000
Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen beschäftigt sind. Die
Signale, die von der Metro ausgehen, waren bisher nicht sehr
deutlich darüber, ob alle betroffenen Läden in der Zukunft als
Teil der Real-Kette bestehen bleiben werden. Die Real-Kette
umfasst bisher 550 Läden. Der Konzern hatte angedeutet, dass
fast alle Läden geöffnet bleiben sollen.
Hans-Joachim Körber, Metros Vorstandsvorsitzender, kann in
einem Interview gegenüber der "Lebensmittelzeitung" seine
Genugtuung nicht verbergen, obwohl er sich bemüht so zu klingen,
als sei der Deal günstig für beide Partner. Tatsache ist
allerdings, dass der US-amerikanische Einzelhandelsgigant
aufgeben hat und dafür teuer bezahlen musste.
Deutschlands Einzelhandelssektor ist rauh und die
Preisspannen sehr eng. Besonders die Hartdiscounter wie Aldi und
Lidl machen Druck. Nirgendwo sonst ist Hartdiscounting so
schwierig wie hier, wo es einen Lebensmittelmarktanteil von 40%
beherrscht. Auch Real hatte in der Vergangenheit mit einigen
Problemen Schlagzeilen gemacht. Besonders einige Fehler der
Geschäftsführung hatten zu hohen Verlusten geführt. In der Folge
entwickelten sich die Arbeitsbeziehungen in eine schlechte
Richtung. Es gab unter anderem auch Spekulationen darüber, dass
die Metro Gruppe ihre Grossmarktkette abstossen wollte, so wie
es erst kürzlich mit den Praktiker-Märkten der Fall gewesen war.
Die Geschäftsübernahme von Wal-Marts deutschem Geschäftsbereich
sollte nun, Körber zufolge, endgültig einen Strich unter die
Spekulationen setzen.
Wal-Mart machte von Anfang an Fehler
Wal-Mart hat in Deutschland von Anfang an Fehler gemacht. Das
Geschäftskonzept mit dem Schwerpunkt auf den Non-Food-Bereich
gefiel den Verbrauchern nicht, die es noch immer vorziehen, ihre
Kleider in den Geschäften der Innenstadt zu kaufen. Das
Ladennetz war nicht wettbewerbsfähig und die Logistik fügte sich
nicht zusammen.
Anstatt in das Personal zu investieren, um diese Projekte
erfolgreich voranzutreiben, hat Wal-Mart es geschafft, die
Mitarbeiter gegen sich selbst aufzubringen. Die Betriebsräte
bemerkten, dass die Geschäftsführung sie daran hinderte, ihrer
Verantwortung nachzukommen. Ver.di, Mitgliedsorganisation von
UNI Handel, bemühte sich, das Unternehmen zum Abschluss eines
Tarifabkommens zu bewegen und musste es schliesslich zu einer
Erklärung zwingen, in der der Arbeitgeber widerwillig zustimmte,
die Bedingungen zu respektieren.
Der Skandal um Wal-Marts so genanntes Liebes-Verbots ist noch
immer in frischer Erinnerung - das Unternehmen wollte
Beziehungen unter den Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen
untersagen. Die Geschäftsleitung in Bentonville wollte ausserdem
eine anonyme Hotline einrichten, über die sich die Arbeitnehmer
gegeneinander hätten ausspielen sollen. Allein dies bewies
fehlende Sensibilität und Ignoranz gegenüber den schlechten
Erfahrungen aus den Jahren der Diktaturen in grossen Teilen
Europas. Gemäss ihrer gewerkschaftfeindlichen Vorgehensweise
unterliess Wal-Mart die Konsultation mit dem Betriebsrat und der
Versuch, die kuriose Ethikrichtlinie einzuführen, endete mit
einem Richterspruch, der die Richtlinie für gesetzeswidrig
erklärte.
Nun hat Wal-Mart aufgegeben, wie schon zuvor in Südkorea.
Natürlich haben sich weder der amerikanische Einzelhandelsriese
noch Metro über den Preis geäussert. Klar ist aber, dass
Wal-Mart Verantwortung auch für die operativen Verluste aus 2007
und 2008 wird übernehmen müssen. Dies führt unweigerlich zur
Schlussfolgerung, dass die ganze Angelegenheit den Konzern
zwischen 3.2 and 3.5 Milliarden Euro bzw. zwischen 4.1 und 4.5
Milliarden USD gekostet haben muss.
Sozialdialog ist besser als Walmartisierung für den
Geschäftsgewinn
Die Metro Gruppe, sowie ihre wichtigste Sparte, Metro Cash &
Carry, sind im konstruktiven Sozialdialog mit UNI Handel
engagiert. Dies ermöglicht es den Sozialpartnern einen
potentiellen Konflikt bereits zu einem frühen Zeitpunkt zu
lösen. Der globale Erfolg und die Wettbewerbsfähigkeit grosser
europäischer Einzelhändler wie Carrefour, Metro und Tesco sollte
Wal-Mart zeigen, dass es für diese grossen Händler möglich ist,
Unternehmensverantwortung zu zeigen, und sich diese auch gut auf
den Geschäftsgewinn auswirken kann.
Vielleicht signalisieren Wal-Marts Fehlkalkulationen in
Deutschland und Korea, sowie die zunehmenden Probleme auf dem
heimischen Markt ein Ende der Verbreitung von
Walmartisierungs-Effekten - schlechte Beschäftigungs- und
Arbeitsbedingungen und Gewerkschaftsbekämpfung um jeden Preis
als Grundlage für Sozialdumping. |
|
|