8. 8. 2006

Uni logo
Handel

Uni logo
Commerce
work in multinational
companies - Englisch

Uni logo
Commerce Wal-Mart pages - English

 

Sozialdumping führte zum Misserfolg:
Wal-Mart verliert durch Fiasko in Deutschland 4.5 Milliarden Dollar

Wal-Marts Verluste in Deutschland sind weitaus grösser als bisher vermutet. Die führende deutsche Industriezeitung, die Lebensmittelzeitung, schätzt, dass der Handelsmulti aus Bentonville insgesamt 3.5 Milliarden Euro verheizt hat, bevor er schliesslich das Handtuch geworfen hat. Die operativen Verluste betrugen allein für die Jahre 2000 bis 2004 um die 1.8 Milliarden Euro.

Dieser Wal-Mart-Laden in Berlin ist einer von 85 Märkten, die der Konzern an Metro verkauft hat. Metro ist weltweit der drittgrösste Einzelhändler. Das deutsche Abenteuer des amerikanischen Handelsmultis aus Bentonville stellte sich dagegen als teurer Flop heraus. Die Verluste werden bereits zwischen 4.2 und 4.5 Milliarden US Dollar vermutet. Walmartisierung zahlt sich nicht aus. Dies wurde schon früh in diesem Sommer klar, als der Einzelhandelsriese Südkorea verlassen musste.

Wal-Marts Weggang aus Deutschland ist ein Sieg für den Hauptmitbewerber, die Metro Gruppe. Real, Metros Grossmarktkette, wird nun die 85 Läden übernehmen, in denen nahezu 11 000 Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen beschäftigt sind. Die Signale, die von der Metro ausgehen, waren bisher nicht sehr deutlich darüber, ob alle betroffenen Läden in der Zukunft als Teil der Real-Kette bestehen bleiben werden. Die Real-Kette umfasst bisher 550 Läden. Der Konzern hatte angedeutet, dass fast alle Läden geöffnet bleiben sollen.

Hans-Joachim Körber, Metros Vorstandsvorsitzender, kann in einem Interview gegenüber der "Lebensmittelzeitung" seine Genugtuung nicht verbergen, obwohl er sich bemüht so zu klingen, als sei der Deal günstig für beide Partner. Tatsache ist allerdings, dass der US-amerikanische Einzelhandelsgigant aufgeben hat und dafür teuer bezahlen musste.

Deutschlands Einzelhandelssektor ist rauh und die Preisspannen sehr eng. Besonders die Hartdiscounter wie Aldi und Lidl machen Druck. Nirgendwo sonst ist Hartdiscounting so schwierig wie hier, wo es einen Lebensmittelmarktanteil von 40% beherrscht. Auch Real hatte in der Vergangenheit mit einigen Problemen Schlagzeilen gemacht. Besonders einige Fehler der Geschäftsführung hatten zu hohen Verlusten geführt. In der Folge entwickelten sich die Arbeitsbeziehungen in eine schlechte Richtung. Es gab unter anderem auch Spekulationen darüber, dass die Metro Gruppe ihre Grossmarktkette abstossen wollte, so wie es erst kürzlich mit den Praktiker-Märkten der Fall gewesen war. Die Geschäftsübernahme von Wal-Marts deutschem Geschäftsbereich sollte nun, Körber zufolge, endgültig einen Strich unter die Spekulationen setzen.

Wal-Mart machte von Anfang an Fehler

Wal-Mart hat in Deutschland von Anfang an Fehler gemacht. Das Geschäftskonzept mit dem Schwerpunkt auf den Non-Food-Bereich gefiel den Verbrauchern nicht, die es noch immer vorziehen, ihre Kleider in den Geschäften der Innenstadt zu kaufen. Das Ladennetz war nicht wettbewerbsfähig und die Logistik fügte sich nicht zusammen.

Anstatt in das Personal zu investieren, um diese Projekte erfolgreich voranzutreiben, hat Wal-Mart es geschafft, die Mitarbeiter gegen sich selbst aufzubringen. Die Betriebsräte bemerkten, dass die Geschäftsführung sie daran hinderte, ihrer Verantwortung nachzukommen. Ver.di, Mitgliedsorganisation von UNI Handel, bemühte sich, das Unternehmen zum Abschluss eines Tarifabkommens zu bewegen und musste es schliesslich zu einer Erklärung zwingen, in der der Arbeitgeber widerwillig zustimmte, die Bedingungen zu respektieren.

Der Skandal um Wal-Marts so genanntes Liebes-Verbots ist noch immer in frischer Erinnerung - das Unternehmen wollte Beziehungen unter den Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen untersagen. Die Geschäftsleitung in Bentonville wollte ausserdem eine anonyme Hotline einrichten, über die sich die Arbeitnehmer gegeneinander hätten ausspielen sollen. Allein dies bewies fehlende Sensibilität und Ignoranz gegenüber den schlechten Erfahrungen aus den Jahren der Diktaturen in grossen Teilen Europas. Gemäss ihrer gewerkschaftfeindlichen Vorgehensweise unterliess Wal-Mart die Konsultation mit dem Betriebsrat und der Versuch, die kuriose Ethikrichtlinie einzuführen, endete mit einem Richterspruch, der die Richtlinie für gesetzeswidrig erklärte.

Nun hat Wal-Mart aufgegeben, wie schon zuvor in Südkorea. Natürlich haben sich weder der amerikanische Einzelhandelsriese noch Metro über den Preis geäussert. Klar ist aber, dass Wal-Mart Verantwortung auch für die operativen Verluste aus 2007 und 2008 wird übernehmen müssen. Dies führt unweigerlich zur Schlussfolgerung, dass die ganze Angelegenheit den Konzern zwischen 3.2 and 3.5 Milliarden Euro bzw. zwischen 4.1 und 4.5 Milliarden USD gekostet haben muss.

Sozialdialog ist besser als Walmartisierung für den Geschäftsgewinn

Die Metro Gruppe, sowie ihre wichtigste Sparte, Metro Cash & Carry, sind im konstruktiven Sozialdialog mit UNI Handel engagiert. Dies ermöglicht es den Sozialpartnern einen potentiellen Konflikt bereits zu einem frühen Zeitpunkt zu lösen. Der globale Erfolg und die Wettbewerbsfähigkeit grosser europäischer Einzelhändler wie Carrefour, Metro und Tesco sollte Wal-Mart zeigen, dass es für diese grossen Händler möglich ist, Unternehmensverantwortung zu zeigen, und sich diese auch gut auf den Geschäftsgewinn auswirken kann.

Vielleicht signalisieren Wal-Marts Fehlkalkulationen in Deutschland und Korea, sowie die zunehmenden Probleme auf dem heimischen Markt ein Ende der Verbreitung von Walmartisierungs-Effekten - schlechte Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen und Gewerkschaftsbekämpfung um jeden Preis als Grundlage für Sozialdumping.