7. 8. 2006

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Sozialdumping zahlt sich nicht aus: Wal-Mart wirft in Deutschland das Handtuch

Wal-Mart hat in Deutschland das Handtuch geworfen und verkauft die 85 Grossmärkte an die Metro Group. Der amerikanische Einzelhändler hatte das Geschäft in Deutschland nie profitabel gestalten können. Von den Morgenappellen über Personalkürzung bis hin zu Geschäftsschliessungen - fast alles war erfolglos versucht worden. Man fand einfach nicht das richtige Konzept.

Auf Wiedersehen, Deutschland! Wal-Mart ist niemals zu einem erfolgreichen Unternehmen auf Europas grösstem Markt geworden, aber die Arbeitnehmer waren gut organisiert und konnten sich durchsetzen. Nun mussten die Manager aus Bentonville einsehen, dass die Walmartisierung des Arbeitslebens nicht funktioniert, wo die Gewerkschaften stark sind. Auch aus Korea zieht das Unternehmen ab.

Als der Handelsmulti aus Bentonville die Einführung seines amerikanisches Geschäftskonzeptes versuchte, begannen die Dinge schief zu laufen. Die Einkaufsmuster und der Wettbewerb waren einfach zu anders. Es kamen Zweifel auf, ob das Unternehmen tatsächlich die geeignete Ladenkette übernommen hatte.

Es reichte nicht mal, das Deutschlandgeschäft mit Geldern zu bezuschussen, die auf den US-amerikanische Märkten durch Niedriglöhne und billige Krankenversicherungsverträge eingespart worden waren. In den eitlen Versuchen, Marktanteile zu erwerben, genehmigte die Geschäftsleitung, in Deutschland mit Hundertmillionen USD rote Zahlen zu schreiben und sich in brutalen Preiskämpfen zu engagieren. Wal-Mart bemühte sich, seine dominante globale Marktposition zu nutzen, um die Mitbewerber in die Knie zu zwingen.

Wal-Mart's Konzept zieht nicht

Aber Wal-Mart's Konzept zieht nicht, wie auch der Vorstandsvorsitzende der Metro Group, Hans-Joachim Körber, vor wenigen Jahren bereits bemerkt hatte. Heute, da die deutschen Wal-Mart Läden zu Real-Märkten werden, können wir sehen, dass er Recht hatte. Metro ist Deutschlands grösster Einzelhändler und an dritter Stelle in der Welt. Der Konzern umfasst Metro Cash & Carry Märkte, Real Grossmärkte, Extra-Supermärkte, die Warenhäuser Kaufhof, sowie die Elektronikfachmärkte Media Markt und Saturn. Erst vor wenigen Tagen übernahm Real vom französischen Multi-Einzelhändler Casino eine Kette von Geant Einkaufsmärkte in Polen.

Die Metro Gruppe engagiert sich konstruktiv im globalen Sozialdialog mit UNI Handel und hat seinen vollen Respekt für Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsrechte erklärt. Sobald die Firmenübernahme von Wal-Mart schliesslich durch die Behörden genehmigt wird, sollte man erwarten, dass der Käufer seine Verantwortung gegenüber den Arbeitnehmern von Wal-Mart wahrnehmen sollte. Ver.di wird zweifelsohne alles tun, um durch bestehende starke Gewerkschaftsstrukturen in beiden Unternehmen, die Interessen der Mitglieder zu wahren.

Wal-Mart kehrt zu seinem üblichen schlechten Verhalten zurück

Zurück zum US Einzelhandelsriesen. Anstand auch das Personal als Teil des Vermögens zu betrachten, kehrte Wal-Mart zum üblichen schlechten Arbeitgeberbenehmen zurück, als sich die Schwierigkeiten in Deutschland fortsetzten. Die Betriebsräte sahen sich an der Ausübung ihrer Tätigkeiten gehindert. Ver.di bekam für die Bemühung um Tarifvertragsverhandlungen die kalte Schulter zugedreht. Arbeitnehmervertretern wurde mit Ladenschliessung gedroht, falls diese keine Zugeständnisse geben würden. Dies sind nur einige Beispiele für die unklugen Massnahmen der Geschäftsleitung, die gleichzeitig ihre fehlende Souveränität demonstrierte.

Anstatt in das Personal zu investieren, kehrte Wal-Mart zu den Prinzipien aus Bentonville zurück. Die Resultate erwiesen häufig als so merkwürdig, dass die deutschen Arbeitnehmer nicht wussten, ob sie darüber lachen oder weinen sollten. - Wir sind keine Clowns, sondern Arbeitnehmer, kommentierten viele den Morgenappel, zu denen sie sich durch die Geschäftsleitung genötigt sahen. Um diesem Zirkus zu entkommen, sahen sie zu, dass sie zur gleichen Zeit mit anderen Dingen beschäftigt waren. Das Verbot von Liebesbeziehungen, welches die Manager aus Bentonville aufzuerlegen versuchten, wurde mit ironischem Gelächter aufgenommen. Die anonyme Informantenhotline jedoch, die Wal-Mart einrichten wollte, brachte bei vielen Deutschen und anderen Europäern schlechte kollektive Erinnerungen zurück und allein der Vorschlag wurde sehr schlecht aufgenommen.

Wal-Mart stolpert über sein gewerkschaftsfeindliches Verhalten

Natürlich hat dies alles nicht funktioniert. Entweder scheiterten die Massnahmen an ihrer eigenen Unmöglichkeit oder wurden durch Gerichte für gesetzeswidrig erklärt, so beispielsweise die Ethikrichtlinie, die vor einigen Jahren gleichzeitig mit dem Verbot von Liebesverhältnissen und der Informantenlinie eingerichtet werden sollte. Tatsächlich ist Wal-Mart mal wieder über seine gewerkschaftsfeindliche Vorgehensweise gestolpert. Das Unternehmen lehnte Konsultationen mit den Betriebsräten vor der Ankündigung der erwähnten Massnahmen ab.

Und der Tarifvertrag? Zuerst weigerte sich Wal-Mart, den Flächentarifvertrag anzuerkennen oder eine eigene Vereinbarung mit Ver.di zu treffen. Dann brachte die Gewerkschaft Wal-Mart dazu, alle Bestimmungen des Tarifvertrages anzuwenden, obwohl er noch nicht unterschrieben war. Nachdem die Geschäftsführung widerwillig zugestimmt hatte, brachte sie Merkblätter an den Anschlagtafeln an. Sie beklagte sich, dass die Gewerkschaft sie dazu gezwungen hätte, die Tarifvertragsvereinbarungen über Löhne und Arbeitsbedingungen anzuerkennen. Wieder einmal hatte sich der Konzern ins eigene Bein geschossen.

Wal-Mart verlässt Deutschland unrühmlich. Das Bild ist nun anders als das des erfolgreichen und wettbewerbsstarken globalen Einzelhändlers, wie es das Management in Bentonville gerne zeichnet. Eine starke Gewerkschaftsbewegung, fordernde Kunden und harte Konkurrenz bereitet Wal-Marts Sozialdumpingskonzept keine willkommene Atmosphäre. Erst vor wenigen Monaten musste der Handelsmulti Südkorea verlassen. Dort hätte er sich bald gegen einen immer stärker wachsenden Druck wehren müssen. Sowohl die Gewerkschaften als auch die Verbraucher wollten dort einen Wandel erwirken.

Der Blick geht nach China

Die kürzlich von Chinas Gewerkschaftsleader Wang Zhaoguo gemachte Bemerkung über Wal-Marts gewerkschaftsfeindliches Verhalten in China ist in diesem Zusammenhang ausserordentlich interessant. Wenn der Präsident des Allchinesischen Gewerkschaftsbundes (ACFTU) mehr als eine Andeutung über mögliche rechtliche Schritte macht, um sicherzustellen, dass örtliche Gewerkschaftsorganisationen in den Läden von Wal-Mart in China entstehen können, dann sollte dies ernst genommen werden. Und in China scheint der Wettbewerb mit Carrefour, dem weltweit zweitgrössten Einzelhändler, ebenfalls Schwierigkeiten zu bereiten. Carrefour hat mit UNI ein globales Rahmenabkommen getroffen.

Auch zuhause muss sich Wal-Mart weiterhin mit Problemen auseinandersetzen. Die Entscheidung in Chicago, 10 $ für die Ladenangestellten als Mindestlohn und mindestens 3 $ pro Stunde für andere Leistungen festzulegen, hat letztlich die Schwäche des Unternehmens gezeigt. Es wollte seine Arbeitnehmer in der South Side mit 7.25 $ als Einstiegsohn abspeisen. Nun äusserte es sich, dass dies vermutlich der einzige Laden in der Stadt bleiben soll.

Ganz offensichtlich ist Wal-Mart auf dem US-amerikanischen Markt wettbewerbsfähig, weil es die Arbeitnehmer durch Niedriglöhne und miserable Zusatzleistungen ausnutzt. Es gab Reaktionen - die Desinvestion der norwegischen Regierung, die nicht den Vorwurf der Komplizenschaft mit den Menschrechtsverletzungen durch Wal-Mart riskieren wollte, bis zu denen der Anteilseigner, die ihre grundsätzliche Besorgnis über die Zukunft des Einzelhändlers durch fallende Aktienpreise zum Ausdruck gebracht haben. Inzwischen sind die Preise abgerutscht und fielen in der vergangenen Woche.