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Handel
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Gemeinsame Stellungnahme von EuroCommerce und Euro-FIET zur Beschäftigung 30.11.1998 Einleitung EuroCommerce und Euro-FIET, die europäischen Sozialpartner für den Handel, begrüssen die Einführung einer europäischen Beschäftigungsstrategie, die mit der Veröffentlichung der Leitlinien zur Beschäftigung 1998 ihren Anfang nimmt, die auf der Grundlage der Entschliessung des Rats vom 15. Dezember 1997 ausgearbeitet wurden. Sie begrüssen ebenfalls den Entwurf der Leitlinien zur Beschäftigung für 1999, zu dem sie einen positiven und konstruktiven Beitrag leisten wollen. Eine kürzlich herausgegebene Mitteilung der Europäischen Kommission mit dem Titel: Die Modernisierung der Arbeitsorganisation ein positiver Ansatz zum Wandel" stellt für die Sozialpartner die grosse Herausforderung dar, bei der Entwicklung der euro-päischen Dimension der Arbeitsbeziehungen die Initiative zu ergreifen. EuroCommerce und Euro-FIET nehmen diese Herausforderung auf und betrachten diese Mitteilung als Leitfaden für ihren zukünftigen sozialen Dialog über Fragen, die die Beschäftigung und die Arbeitsorganisation betreffen. Der europäische Handel bildet das wichtige Bindeglied zur Verteilung der Waren und Dienstleistungen zwischen den Herstellern und über 370 Millionen Verbrauchern in der Europäischen Union. In der EU sind 4,7 Millionen Handelsunternehmen tätig, das sind 30% aller europäischen Unternehmungen, und sie erbringen 13% des gesamten europäischen BIP. 95% dieser Unternehmen sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die weniger als 10 Arbeitnehmer beschäftigen. Der Handel ist der zweitgrösste Arbeitgeber mit über 22,5 Millionen Arbeitnehmern, die 16% der gesamten Beschäftigung in der EU ausmachen. Ausserdem war im Handel, im Gegensatz zu anderen Wirtschaftszweigen, eine positive Entwicklung der Be-schäftigung zu verzeichnen. In der Zeit von 1985 bis 1995 entstanden im europäischen Handel 1,5 Millionen neue Arbeitsplätze. Das entspricht der Hälfte der Zahl von Arbeitsplätzen, die in der herstellenden Industrie im gleichen Zeitraum verlorengingen. Unter dem Aspekt der Schaffung neuer Arbeitsplätze kamen 15,5% der neuen Jobs aus dem Handelsbereich. Die Aussichten des Handels, den gegenwärtigen Beschäftigungs-grad zu erhalten, unter Berücksichtigung der Arbeitsplatzverluste, die insbesondere seit 1994 in einigen Bereichen des Handels verzeichnet wurden, und neue Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen, hängen sehr stark von der Erhöhung der Kaufkraft ab. Wirt-schaftswachstum und mehr Kaufkraft könnten zur Entwicklung neuer Dienstleistungen im Handel führen. Im Zusammenhang mit der Erweiterung der EU auf Länder des Ostens haben EuroCommerce und Euro-FIET mit den für den Handel zuständigen Sozialpartnern in den Bewerberländern zusammengearbeitet mit dem Ziel, die Arbeitsbeziehungen durch eine Reihe von Gesprächen am runden Tisch zu fördern. Bisher haben zwei Treffen dieser Art stattgefunden, und zwar in Estland und in Ungarn, und dieser Prozess wird 1999 weitergeführt. Im Hinblick auf die künftige Mitgliedschaft halten EuroCommerce und Euro-FIET es für notwendig, die Herausforderungen und Auswirkungen der Erweiterung zu beachten, vor allem auf dem Gebiet der Beschäftigung. I - Die Beschäftigung und die Dimension des sozialen Dialogs Seit der Einführung ihres sozialen Dialogs 1985 haben die europäischen Sozialpartner im Handel auf dem Gebiet der Beschäftigungspolitik eng zusammengearbeitet; sie haben z.B. das Memorandum über die Berufs-ausbildung im Einzelhandel und eine Gemeinsame Stellungnahme zur Förderung der Beschäftigung im europäischen Handel unterzeichnet. In den letzten Jahren haben die Sozialpartner im Handel ihre Aufmerksamkeit auf die zukünftige Entwicklung der Beschäftigungsstrukturen gerichtet, wobei sie sich auf zahlreiche gemeinsam durchgeführte Studienprojekte stützen konnten. Die derzeitigen Veränderungen der Informationstechnologie (IT) und die rasche Ent-wicklung des elektronischen Handels werden zu einem Strukturwandel im Handels-sektor führen. Es werden neue Arbeitsbereiche geschaffen, bereits bestehende werden neu definiert. Daher muss man den Einfluss der technologischen und strukturellen Entwicklungen auf die Beschäftigung und die Beschäftigungsbedingungen im Handels-sektor genau beachten. Angesichts dieser Tatsachen haben EuroCommerce und Euro-FIET zwei wichtige Studien in Auftrag gegeben: die erste betrifft die zukünftige Entwicklung der Beschäftigung im europäischen Handel (Institut für Arbeit und Technik, Dezember 1997), und die zweite behandelt die Auswirkungen der Entwicklung des elektronischen Handels auf die Beschäftigungslage im europäischen Handel (Universität Athen, Juni 1998). Ferner werden EuroCommerce und Euro-FIET im Januar 1999 ein gemeinsames Projekt zur Untersuchung der Wirkung der IT (im besonderen des elektronischen Handels) im Bereich der Berufsausbildung im Gross- und Einzelhandel beginnen. Dieses Projekt zeigt die Bereitschaft der Sozialpartner, diese Fragen durch konkrete Aktionen in den Griff zu bekommen und die Beschäftigung in ihrem Sektor zu unterstützen. Der Bericht der Universität Athen kam zu der Schlussfolgerung, dass der elektronische Handel neue Bedürfnisse auf dem Gebiet der Ausbildung der Arbeitnehmer schaffen wird. Die Veränderung der logistischen Systeme wird z.B. direkte Auswirkungen auf die Personalstruktur in den Unternehmen haben. Darum müssen die Fachkenntnisse der Arbeitnehmer verbessert werden, und die fortlaufende Aus- und Weiterbildung wird der Schlüssel zur Anpassung aller Beschäftigten an den Wandel sein, die wiederum zu einer grösseren Arbeitszufriedenheit führt. Die zukünftigen Entwicklungen im Handel werden Veränderungen der Arbeits-organisation erfordern. Die fundamentalen Bereiche der Arbeit und der Arbeitsprozesse in den Unternehmen werden aufgrund der Arbeitsplanung und dem Einsatz von Telearbeit Veränderungen unterworfen sein. Für den Handel ist es aus diesem Grunde wichtig, diese Herausforderungen aufzunehmen und ihre Auswirkungen auf die Arbeitsorganisation zu untersuchen. II - Zukünftige Herausforderungen für den Handel EuroCommerce und Euro-FIET sprechen sich für die Lösungsansätze aus, die in den Leitlinien zur Beschäftigung 1998 enthalten sind; sie erkennen ihre Bedeutung für die Senkung der Zahl der Arbeitslosen und für die Erhöhung der beruflichen Einsatz-fähigkeit an. Der zukünftige Dialog zwischen EuroCommerce und Euro-FIET wird die Notwendigkeit der beruflichen Vermittelbarkeit in den Vordergrund stellen und zur Anpassung der Unternehmen und der Beschäftigten an die Herausforderungen, die sich aus den laufenden technologischen Entwicklungen in diesem Sektor ergeben, ermutigen. EuroCommerce und Euro-FIET sind sich der Tatsache bewusst, dass in ihrem Sektor Strukturveränderungen anstehen, die vor allem auf der demographischen Entwicklung beruhen. Sie werden daher überall dort, wo es notwendig und angemessen ist, eine Beschäftigungspolitik fördern, die eine Vereinbarung von Familienleben und Berufs-leben erleichtert; sie folgen damit den Initiativen, die bereits zuvor ergriffen wurden. Diese Politik wird auch den Anforderungen entsprechen, die eine ständig wechselnde Nachfrage der Verbraucher an die Unternehmen stellt. Darüber hinaus werden EuroCommerce und Euro-FIET auf die Entwicklung neuer Initiativen hinarbeiten, damit die Unternehmen ihre Beschäftigten im Betrieb behalten, und zur Gewährleistung der weiteren Schaffung neuer Beschäftigungsmöglichkeiten im Handel, vor allem neuer Arbeitsplätze, die für junge Menschen, die in das Arbeitsleben eintreten, von Interesse sind. Die Arbeitnehmer in diesem Sektor müssen sich neue Fachkenntnisse aneignen, um dem Fortschritt der IT folgen zu können und ihre Eignung zur Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Den erfahrenen, älteren Arbeitnehmern und den Beschäftigten der KMU, die aufgrund des zunehmenden Wettbewerbs Ver-änderungen ausgesetzt sind, muss besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Es besteht ganz klar ein positiver Trend in einigen Bereichen des Handels bestehende Arbeitsplätze, die wenige Fachkenntnisse verlangen, durch Jobs zu ersetzen, die einen höheren Bildungsstand erfordern. Damit der Handel seinen Beschäftigten auch in Zukunft gute Laufbahnaussichten bieten kann, ist es wichtig, ihm zusätzliche Bildungs- und Ausbildungs-möglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig werden neue Arbeits-bereiche entstehen, die Anreize für fachlich gut Ausgebildete darstellen. Dann sollte es für die bereits vorhandenen Beschäftigten durch zusätzliche Bildungs- und Ausbildungs-programme die Möglichkeit geben, Zugang zu diesen neuen Arbeitsplätzen zu erhalten. Der europäische Gross- und Einzelhandel ist ein zunehmend globaler werdender Wirtschaftszweig, dessen Unternehmen über die Grenzen ihrer traditionellen Inlandmärkte hinaus in anderen EU-Mitgliedstaaten oder ausserhalb der Europäischen Union tätig sind. Die grenzüberschreitenden Aktivitäten im Handel und die Mobilität der Arbeitnehmer innerhalb der EU werden zunehmen. Da die neuen Technologien Anwendung finden, wird auch der internationale Wettbewerb schärfer. Diesen Trends muss bei neuen Initiativen zur Beschäftigungsförderung im Handel voll Rechnung getragen werden. EuroCommerce und Euro-FIET haben die Herausforderungen, denen sich der Handel stellen muss, klar erkannt, ebenso wie ihre Verantwortung für die Schaffung eines entsprechenden europäischen Rahmens. Die europäischen Sozialpartner im Handel werden sich daher weiter für Initiativen zur Schaffung und Erhaltung von Arbeits-plätzen einsetzen.
III Vorschläge für neue Initiativen EuroCommerce und Euro-FIET werden die laufenden Tätigkeiten zur Schaffung neuer Arbeitsplätze fortsetzen und sie werden bestrebt sein, die weiter oben genannten Prioritäten in konkrete Massnahmen umzusetzen, vor allem auf den folgenden Gebieten: · Analyse der Zusammensetzung der Arbeitskräfte, der Berufsprofile, der ständigen Aus- und Weiterbildung.
· Verbesserung der Fachkenntnisse der erfahrenen, älteren Arbeitnehmer im Handel
· Analyse der Auswirkungen des Wettbewerbs und der IT-Entwicklungen auf die Zusammensetzung der Arbeitskräfte
· Rahmenbedingungen für die Telearbeit
· Analyse der Ausbildungsmöglichkeiten der KMU
Im Hinblick auf die europäische Beschäftigungsstrategie werden die Sozialpartner die Entwicklung ihrer Initiativen jährlich überprüfen und den zuständigen europäischen und nationalen Stellen alle relevanten Ergebnisse unterbreiten. EuroCommerce und Euro-FIET werden auch in Zukunft darauf hinarbeiten, dass der Handel zu einem attraktiveren Beschäftigungsbereich wird. Sie werden bemüht sein, die Beschäftigung in diesem Sektor zu erhalten und wenn möglich zu erhöhen.
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