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European
social
dialogue

 

28 November 2006

 

Gemeinsame Erklärung Förderung eines sichereren Einkaufs- und Arbeitsumfelds im europäischen Handel


Bereits 1995 unterzeichneten die Sozialpartner für den Handel eine gemeinsame Erklärung zur Bekämpfung von Gewalt im Handel, in der sie an die öffentlichen Verwaltungen auf nationaler und lokaler Ebene appellierten, der Problematik von Gewalt und Kriminalität ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden und tripartite Leitlinien für den Umgang mit Kriminalität und Gewalt an Arbeitsplätzen im Handel sowie in den Innenstädten herauszugeben.

 

Physische und verbale Gewalt sowie Belästigungen gegenüber Personen, die in Einzelhandelsgeschäften arbeiten, sind ein Anlass zur Sorge in ganz Europa. Sie können zu körperlichen Verletzungen oder schwerwiegenden psychischen Problemen führen und haben ernsthafte Auswirkungen auf die Opfer. Zudem tragen Überfälle, Gewaltakte und Belästigungen im Einzelhandel zu einer Verschlechterung des Einkaufsumfelds für die Verbraucher bei.

 

Gewalt gegenüber Arbeitnehmern ist nicht nur ein ernsthaftes Problem für die betroffenen Arbeitnehmer und deren Familien, sondern auch für die Arbeitgeber. Dort wo dieses Problem noch nicht angegangen wurde, sind die Arbeitsmoral schlecht und der Krankenstand hoch. Wenn sie können, wechseln die höher qualifizierten und erfahreneren Arbeitnehmer die Branche.

 

Die Gewalt "von außen" beinhaltet in der Regel physische Gewalt sowie verbale Beleidigungen und Bedrohungen, die von Außenstehenden (z.B. Verbraucher und Kunden) gegenüber Personen bei der Arbeit ausgesprochen bzw. ausgeübt werden, wobei die Gesundheit, Sicherheit oder das Wohlbefinden der Beschäftigten gefährdet wird.

 

Aggressive oder gewalttätige Handlungen nehmen folgende Formen an: Unhöfliches Verhalten, d.h. mangelnder Respekt gegenüber anderen; körperliche oder verbale Gewalt, also die Absicht, jemanden zu verletzen, sowie Überfälle und Übergriffe Dritter, d.h. die Absicht, jemanden zu schädigen.

 

Die Initiativen in einigen Mitgliedstaaten ("Freedom from Fear"-Kampagne, Bericht über Kriminalität im Einzelhandel, usw.) haben ganz klar gezeigt, dass wenn sich die Arbeitgeber dieses Problems bewusst sind, sie einschlägige Maßnahmen entwickeln und mit den Gewerkschaften, Arbeitgebervertretern sowie mit anderen Stakeholdern (z.B. Polizei und lokale Behörden) zusammenarbeiten, ein sichereres Einkaufs- und Arbeitsumfeld geschaffen werden kann. Gleichzeitig wird die Kriminalität im Einzelhandel gesenkt.

 

Die Gewalt am Arbeitsplatz und die Kriminalität im Einzelhandel müssen auf lokaler, nationaler sowie auf internationaler Ebene angegangen werden. Allerdings erschwert in vielen Mitgliedstaaten das Datenschutzrecht die Zusammenarbeit und den Datenaustausch zwischen Unternehmen und Regierungsbehörden. Die Quellensicherung mit Hilfe elektronischer Artikelsicherungssysteme (EAS) trägt zur Verhütung von Kriminalität und Gewalt bei. Das unsichtbare Tagging von Produkten kann der Ermittlung von Kriminellen zu mehr Erfolg verhelfen und somit die Senkung der Kriminalitätsrate fördern. Es müssen wirksamere Maßnahmen ergriffen werden, um sicherzustellen, dass Wiederholungstäter oder Personen, die ernsthafter Angriffe schuldig sind, in jenen Geschäften, in denen sie diese Taten ausgeübt haben, Hausverbot erhalten. Ferner sollte die Kriminalität im Einzelhandel von den Behörden und der Justiz klassifiziert werden, da dies die ernsthaften Folgen für die betroffenen Opfer widerspiegeln würde.


Nicht zuletzt macht der Mangel an vergleichbaren Statistiken es schwer, das Ausmaß des Problems in der EU richtig zu verstehen.

 

Die Sozialpartner haben über diese Probleme im Rahmen des sektoralen sozialen Dialogs für den Handel beraten und sind zu folgenden Schlüssen gekommen:

 

  1. EuroCommerce und UNI-Europa Handel teilen ein gemeinsames Interesse an jenen, die im Handel tätig sind und halten eine enge Zusammenarbeit zwischen den Sozialpartnern und den öffentlichen Verwaltungen auf europäischer und nationaler Ebene weiterhin für notwendig, um etwaige Probleme in Angriff zu nehmen. Die erfolgreiche 'Freedom from Fear"-Kampagne in Großbritannien ist ein Beweis hierfür.
     
  2. Die Zunahme von Gewalt und Belästigung ist ein Spiegelbild gesellschaftlicher Probleme, die nicht einfach zu lösen sind, mit denen sich jedoch die öffentlichen Verwaltungen auseinandersetzen müssen. Daher appellieren die Sozialpartner für den Handel an die öffentlichen Verwaltungen auf nationaler und lokaler Ebene, Schritte zu ergreifen, um das Problem zu quantifizieren und mit ihren jeweiligen Sozialpartnern zusammenzuarbeiten, um eine angemessene Angehensweise zu entwickeln. Belästigung und Gewalt sind keine Sache, die sich auf einen bestimmten Mitgliedstaat oder auf einzelne Unternehmen beschränkt.
     
  3. EuroCommerce und UNI-Europa Handel weisen auf die Verpflichtung der Arbeitgeber hin, die Gesundheit und Sicherheit ihrer Arbeitnehmer zu schützen. Sie erkennen die Vorteile eines kontinuierlichen sozialen Dialogs auf europäischer Ebene an, um Entwicklungen verfolgen zu können und Hilfen und Lösungen zur Bekämpfung von Kriminalität und Gewalt vorzuschlagen, die sich gegen den Handel und die in diesem Sektor tätigen Personen richten. Sowohl die Arbeitnehmer als auch die Arbeitgeber sollten zur Schaffung eines sicheren Einkaufsumfelds beitragen. Da Belästigungen und Gewalt solch negative Auswirkungen auf das Arbeitsumfeld haben, ist deren Bekämpfung auch von eindeutigem geschäftlichem Interesse. Nichtsdestotrotz kann das Problem nicht allein auf Unternehmensseite gelöst werden. Daher ist die Verhütung von Gewalt ein wichtiges Thema für den sozialen Dialog.
     
  4. Der Handelssektor muss sich mit sehr spezifischen Herausforderungen (Kundenkontakt, die Anzahl an Geschäften, usw.) und Lösungen auseinandersetzen, die mit Gewaltvorkommen an anderen Arbeitsplätzen nicht leicht zu vergleichen oder zu verwechseln sind. Der sektorale soziale Dialog sollte daher an einer auf den Handel zugeschnitten Lösung arbeiten.
     
  5. Entschlossenes Handeln ist erforderlich, um ein sichereres Einkaufs- und Arbeitsumfeld zu sichern. Die Dreierkooperation ist ein sinnvoller Weg nach vorn. Daher sind EuroCommerce und UNI-Europa Handel bereit, aktiv an der Entwicklung jedweden Materials auf europäischer Ebene oder sonstigen in dieser Hinsicht ergriffenen Initiativen mitzuwirken. Schulungsmaßnahmen in Sachen Risikobeurteilung und Berichterstattung über Risikobeurteilung, oder die Organisation eines Tags für Beschäftigte in Einzelhandelsgeschäften (zur Bewusstseinsbildung) könnten Schritte in die richtige Richtung sein.

Sowohl die Arbeitgeber als auch die Arbeitnehmer haben die Aufgabe, zu einem sicheren Arbeitsumfeld beizutragen.

 

Brüssel, 28. November 2006