Gemeinsame Erklärung
Förderung eines
sichereren Einkaufs- und
Arbeitsumfelds im
europäischen Handel
Bereits 1995
unterzeichneten die
Sozialpartner für den
Handel eine gemeinsame
Erklärung zur Bekämpfung
von Gewalt im Handel, in
der sie an die
öffentlichen
Verwaltungen auf
nationaler und lokaler
Ebene appellierten, der
Problematik von Gewalt
und Kriminalität ihre
Aufmerksamkeit
zuzuwenden und
tripartite Leitlinien
für den Umgang mit
Kriminalität und Gewalt
an Arbeitsplätzen im
Handel sowie in den
Innenstädten
herauszugeben.
Physische und verbale Gewalt
sowie Belästigungen
gegenüber Personen, die
in
Einzelhandelsgeschäften
arbeiten, sind ein
Anlass zur Sorge in ganz
Europa. Sie können zu
körperlichen
Verletzungen oder
schwerwiegenden
psychischen Problemen
führen und haben
ernsthafte Auswirkungen
auf die Opfer. Zudem
tragen Überfälle,
Gewaltakte und
Belästigungen im
Einzelhandel zu einer
Verschlechterung des
Einkaufsumfelds für die
Verbraucher bei.
Gewalt
gegenüber Arbeitnehmern
ist nicht nur ein
ernsthaftes Problem für
die betroffenen
Arbeitnehmer und deren
Familien, sondern auch
für die Arbeitgeber.
Dort wo dieses Problem
noch nicht angegangen
wurde, sind die
Arbeitsmoral schlecht
und der Krankenstand
hoch. Wenn sie können,
wechseln die höher
qualifizierten und
erfahreneren
Arbeitnehmer die Branche.
Die
Gewalt "von außen"
beinhaltet in der Regel
physische Gewalt sowie
verbale Beleidigungen
und Bedrohungen, die von
Außenstehenden (z.B.
Verbraucher und Kunden)
gegenüber Personen bei
der Arbeit ausgesprochen
bzw. ausgeübt werden,
wobei die Gesundheit,
Sicherheit oder das
Wohlbefinden der
Beschäftigten gefährdet
wird.
Aggressive oder
gewalttätige Handlungen
nehmen folgende Formen
an: Unhöfliches
Verhalten, d.h.
mangelnder Respekt
gegenüber anderen;
körperliche oder verbale
Gewalt, also die Absicht,
jemanden zu verletzen,
sowie Überfälle und
Übergriffe Dritter, d.h.
die Absicht, jemanden zu
schädigen.
Die
Initiativen in einigen
Mitgliedstaaten
("Freedom from Fear"-Kampagne,
Bericht über
Kriminalität im
Einzelhandel, usw.)
haben ganz klar gezeigt,
dass wenn sich die
Arbeitgeber dieses
Problems bewusst sind,
sie einschlägige
Maßnahmen entwickeln und
mit den Gewerkschaften,
Arbeitgebervertretern
sowie mit anderen
Stakeholdern (z.B.
Polizei und lokale
Behörden)
zusammenarbeiten, ein
sichereres Einkaufs- und
Arbeitsumfeld geschaffen
werden kann.
Gleichzeitig wird die
Kriminalität im
Einzelhandel gesenkt.
Die
Gewalt am Arbeitsplatz
und die Kriminalität im
Einzelhandel müssen auf
lokaler, nationaler
sowie auf
internationaler Ebene
angegangen werden.
Allerdings erschwert in
vielen Mitgliedstaaten
das Datenschutzrecht die
Zusammenarbeit und den
Datenaustausch zwischen
Unternehmen und
Regierungsbehörden. Die
Quellensicherung mit
Hilfe elektronischer
Artikelsicherungssysteme
(EAS) trägt zur
Verhütung von
Kriminalität und Gewalt
bei. Das unsichtbare
Tagging von Produkten
kann der Ermittlung von
Kriminellen zu mehr
Erfolg verhelfen und
somit die Senkung der
Kriminalitätsrate
fördern. Es müssen
wirksamere Maßnahmen
ergriffen werden, um
sicherzustellen, dass
Wiederholungstäter oder
Personen, die
ernsthafter Angriffe
schuldig sind, in jenen
Geschäften, in denen sie
diese Taten ausgeübt
haben, Hausverbot
erhalten. Ferner sollte
die Kriminalität im
Einzelhandel von den
Behörden und der Justiz
klassifiziert werden, da
dies die ernsthaften
Folgen für die
betroffenen Opfer
widerspiegeln würde.
Nicht zuletzt macht der
Mangel an vergleichbaren
Statistiken es schwer,
das Ausmaß des Problems
in der EU richtig zu
verstehen.
Die
Sozialpartner haben über
diese Probleme im Rahmen
des sektoralen sozialen
Dialogs für den Handel
beraten und sind zu
folgenden Schlüssen
gekommen:
-
EuroCommerce und
UNI-Europa
Handel teilen
ein gemeinsames
Interesse an
jenen, die im
Handel tätig
sind und halten
eine enge
Zusammenarbeit
zwischen den
Sozialpartnern
und den
öffentlichen
Verwaltungen auf
europäischer und
nationaler Ebene
weiterhin für
notwendig, um
etwaige Probleme
in Angriff zu
nehmen. Die
erfolgreiche
'Freedom from
Fear"-Kampagne
in
Großbritannien
ist ein Beweis
hierfür.
-
Die Zunahme von
Gewalt und
Belästigung ist
ein Spiegelbild
gesellschaftlicher
Probleme, die
nicht einfach zu
lösen sind, mit
denen sich
jedoch die
öffentlichen
Verwaltungen
auseinandersetzen
müssen. Daher
appellieren die
Sozialpartner
für den Handel
an die
öffentlichen
Verwaltungen auf
nationaler und
lokaler Ebene,
Schritte zu
ergreifen, um
das Problem zu
quantifizieren
und mit ihren
jeweiligen
Sozialpartnern
zusammenzuarbeiten,
um eine
angemessene
Angehensweise zu
entwickeln.
Belästigung und
Gewalt sind
keine Sache, die
sich auf einen
bestimmten
Mitgliedstaat
oder auf
einzelne
Unternehmen
beschränkt.
-
EuroCommerce und
UNI-Europa
Handel weisen
auf die
Verpflichtung
der Arbeitgeber
hin, die
Gesundheit und
Sicherheit ihrer
Arbeitnehmer zu
schützen. Sie
erkennen die
Vorteile eines
kontinuierlichen
sozialen Dialogs
auf europäischer
Ebene an, um
Entwicklungen
verfolgen zu
können und
Hilfen und
Lösungen zur
Bekämpfung von
Kriminalität und
Gewalt
vorzuschlagen,
die sich gegen
den Handel und
die in diesem
Sektor tätigen
Personen richten.
Sowohl die
Arbeitnehmer als
auch die
Arbeitgeber
sollten zur
Schaffung eines
sicheren
Einkaufsumfelds
beitragen. Da
Belästigungen
und Gewalt solch
negative
Auswirkungen auf
das
Arbeitsumfeld
haben, ist deren
Bekämpfung auch
von eindeutigem
geschäftlichem
Interesse.
Nichtsdestotrotz
kann das Problem
nicht allein auf
Unternehmensseite
gelöst werden.
Daher ist die
Verhütung von
Gewalt ein
wichtiges Thema
für den sozialen
Dialog.
-
Der
Handelssektor
muss sich mit
sehr
spezifischen
Herausforderungen
(Kundenkontakt,
die Anzahl an
Geschäften, usw.)
und Lösungen
auseinandersetzen,
die mit
Gewaltvorkommen
an anderen
Arbeitsplätzen
nicht leicht zu
vergleichen oder
zu verwechseln
sind. Der
sektorale
soziale Dialog
sollte daher an
einer auf den
Handel
zugeschnitten
Lösung arbeiten.
-
Entschlossenes
Handeln ist
erforderlich, um
ein sichereres
Einkaufs- und
Arbeitsumfeld zu
sichern. Die
Dreierkooperation
ist ein
sinnvoller Weg
nach vorn. Daher
sind
EuroCommerce und
UNI-Europa
Handel bereit,
aktiv an der
Entwicklung
jedweden
Materials auf
europäischer
Ebene oder
sonstigen in
dieser Hinsicht
ergriffenen
Initiativen
mitzuwirken.
Schulungsmaßnahmen
in Sachen
Risikobeurteilung
und
Berichterstattung
über
Risikobeurteilung,
oder die
Organisation
eines Tags für
Beschäftigte in
Einzelhandelsgeschäften
(zur
Bewusstseinsbildung)
könnten Schritte
in die richtige
Richtung sein.
Sowohl
die Arbeitgeber als auch
die Arbeitnehmer haben
die Aufgabe, zu einem
sicheren Arbeitsumfeld
beizutragen.
Brüssel,
28. November 2006