GD EMPL/D2/RD

ENDGÜLTIG

 

 

Ergebnisse der Plenarsitzung des
Ausschusses für den sektoralen sozialen Dialog in der Handelsbranche

30. Oktober 2001- CCAB

 

1. Einleitung

Der Entwurf der Tagesordnung wird angenommen.

2. Soziale Verantwortung der Unternehmen (SVU)

2.1. Gemeinsame Stellungnahme zum Grünbuch der Europäischen Kommission über die soziale Verantwortung der Unternehmen

Eurocommerce (R. Baker und C. Maes) erläutern den von Eurocommerce erarbeiteten Entwurf einer gemeinsamen Stellungnahme. Da die SVU ein umfassendes Gebiet ist, vertritt der Verband die Meinung, dass der Schwerpunkt auf einschlägige Aspekte der Arbeitsbeziehungen gelegt werden sollte.

UNI- Europa (Jan Furstenborg) begrüßt den Entwurf der Stellungnahme. Es sei wichtig, dass die SVU im Rahmen des Sozialen Dialogs zur Sprache komme. In der Gemeinsamen Stellungnahme könne der Schwerpunkt auf bestimmte Aspekte der Arbeitsbeziehungen gelegt werden. Uni- Europa werde seine Mitglieder konsultieren, damit der Entwurf für Ende Dezember 2001 fertig sei. Uni-Europa werde sich vor allem mit den wesentlichen Fragen befassen.

> Der Ausschuss kommt zu dem Ergebnis, dass die Arbeitgeber und die Arbeitnehmer bereit sind, eine gemeinsame Erklärung abzugeben. Die Sekretariate werden die Stellungnahme gemeinsam erarbeiten.

2.2. Gemeinsame Initiative von Eurocommerce und Uni- Europa

Uni- Europa schlägt vor, nach Dezember 2001 gemeinsam konkrete Initiativen im Bereich der sozialen Verantwortung der Unternehmen durchzuführen. Uni-Europa zufolge besteht ein gewisser Standardisierungsbedarf, muss ein gemeinsamer Nenner gefunden und das Follow-up gewährleistet werden.

UNI- Europa ist der Ansicht, dass die Sozialpartner der Handelsbranche nicht von vorn anzufangen brauchen, da sie sich auf die gemeinsame Erklärung über die sozialen Grundrechte, gemeinsame Stellungnahmen und Vereinbarungen über Ausbildung, Telearbeit und auf die laufenden Arbeiten zum Thema „ältere Beschäftigte", soziale Eingliederung usw. stützen können.

Die Europäischen Handelsunternehmen sollten die sozialen Grundrechte in der ganzen Welt wahren. Für die meisten Unternehmen trifft dies auch zu. Uni- Europa möchte jedoch den Fall einer in den Vereinigten Staaten niedergelassenen Tochtergesellschaft des großen europäischen Einzelhandelsunternehmens Pinault-Printemps-La Redoute anführen, in der vor kurzem gewerkschaftsfeindliche Maßnahmen ergriffen wurden. Das europäische Management sollte seine Verantwortung voll übernehmen und das amerikanische Management zur Achtung der sozialen Grundrechte veranlassen.

Mehrere Mitglieder von Uni- Europa ( J. Hoppe von HK Handel, M. Almgren von HTF und J. Lindblad von HAF sowie M. Wolf von GPA) schneiden besondere Themen und Maßnahmen an, wie etwa die Veranstaltung nationaler Rundtischgespräche über die soziale Verantwortung der Unternehmen unter Berücksichtigung der für das jeweilige Land relevanten Elemente, der Arbeitsumgebung und der Erweiterung.

Eurocommerce ist bereit, die Arbeit fortzusetzen und konkrete Maßnahmen zu erarbeiten. Zu diesem Zweck könnten bestehende gemeinsame Papiere zugrunde gelegt und Fragen, wie die Qualität der Arbeitsplätze, der Weltpakt „Global Compact" der Vereinten Nationen (nicht SA 8000, da dies eine private Einzelinitiative ist) und die soziale Eingliederung behandelt werden, obwohl die Behörden für einen bedeutenden Teil der Maßnahmen zur Förderung der sozialen Dimension verantwortlich sind. Bei diesen Initiativen sollte auch den KMU Rechnung getragen werden.

> Der Ausschuss stellt fest, dass die Sozialpartner bereit sind, mehrere längerfristige Maßnahmen im Rahmen der sozialen Verantwortung der Unternehmen auf europäischer und auf einzelstaatlicher Ebene sowie auf Unternehmensebene durchzuführen, und dabei bereits abgegebene gemeinsame Erklärungen und die laufenden Arbeiten in den Bereichen Qualität der Arbeitsplätze und Beschäftigung zugrunde zu legen, und Maßnahmen wie den UN-Pakt „Global Compact" zu berücksichtigen.

 

3. Ältere Arbeitnehmer

> Die Sozialpartner bestätigen, dass sie den Entwurf der Vereinbarung über freiwillig angenommene Leitlinien zur Förderung der Altersstreuung in der Handelsbranche für Ende 2001 fertig stellen werden.

Am 22. November 2001 veranstaltet Uni-Europa Commerce eine Sitzung mit den Verantwortlichen seiner Mitgliedsorganisationen. Der Textentwurf wird den Mitgliedern mit einer Aufforderung zur Annahme übermittelt. Uni-Europa setzt Eurocommerce über etwaige Änderungen in Kenntnis. Sobald beide Organisationen sich auf einen gemeinsamen Wortlaut geeinigt haben, schickt Eurocommerce den Text zur Beschlussnahme an seinen Vorstand.

4. Soziale Eingliederung

Die dänischen Vertreter von Eurocommerce und Uni-Europa berichten über die laufenden Initiativen in Dänemark zur Förderung der sozialen Eingliederung in der Handelsbranche. Sie bestätigen ihre Bereitschaft, während der dänischen Präsidentschaft in der zweiten Hälfte von 2002 eine gemeinsame Konferenz zu veranstalten.

> Eurocommerce und Uni-Europa nehmen den Vorschlag der dänischen Mitglieder an.

Eurocommerce betont jedoch, dass die Agenda 2002 für den Sozialen Dialog auf Gemeinschaftsebene sehr umfangreich sei (Eurocommerce ist u.a. an mehreren wichtigen Projekten im Rahmen der Haushaltslinie B3-4000 und an ESF-Projekten beteiligt). Eurocommerce bittet die dänischen Sozialpartner, sich um den organisatorischen Teil der Konferenz zu kümmern.

5. Erweiterung

> Die Sozialpartner vereinbaren, die Rundtischgespräche abzuhalten, deren Veranstaltung bereits bestätigt, jedoch verschoben worden war (Ljubljana und Riga). Ob die anderen, so etwa Bukarest und Sofia, stattfinden, steht noch nicht fest.

Im Jahre 2003 veranstalten sie eine Konferenz in Berlin. Dabei wird der Hinweis von Uni-Europa Commerce im Auge behalten, dass die deutsche Regierung eine Kofinanzierung der Konferenz in Erwägung zieht.

6. Soziale und wirtschaftliche Auswirkungen des Attentats vom 11. September 2001 auf den Handel

Uni-Europa berichtet, dass bestimmte Handelssparten stark betroffen seien, so etwa der Handel mit Luxusartikeln, die Läden in stark vom Luftverkehr abhängigen Ferienorten, die Läden in Flughäfen. Uni-Europa hofft, dass die Unternehmen nicht überreagieren werden und keine Massenentlassungen in Kürze vornehmen. Die soziale Verantwortung der Unternehmen sollte ernst genommen werden. Das irische Mitglied von Uni-Europa berichtet, die Einkünfte der Läden in Flughäfen seien stark betroffen, weil die Arbeitnehmer teilweise auf Provisionsbasis entlohnt würden. Die Sozialpartner müssen dafür sorgen, dass niemand ausgebeutet werden kann, und sie sollten sich für ein vorausschauendes Vorgehen entscheiden und zu diesem Zweck Ausbildungsmaßnahmen anbieten und der sozialen Ausgrenzung vorbeugen. Das österreichische Mitglied von Uni-Europa betont, dass strengere Kontrollen die Grundrechte der Bürger nicht beeinträchtigen dürften.

Eurocommerce hat die Frage intern erörtert und ist zu keinem allgemeingültigen Ergebnis gelangt. Der Großhandel scheint stärker als der Einzelhandel betroffen zu sein. Entferntere Glieder in der Versorgungskette könnten ebenfalls darunter leiden. Der Handel in Urlaubsgebieten, die stark vom Luftverkehr abhängig sind, könnte ebenfalls beeinträchtigt werden. Der Anteil der B2B-Modelle am E-Commerce könnte zunehmen. Unterbereiche, wie die Ausstattung der Haushalte, weisen steigende Verkaufszahlen auf. Das französische Mitglied von Eurocommerce berichtet über den Rückgang der Besuche von Handelsvertretern im Großhandel. Die Ereignisse vom 11. September könnten sich nachteilig auf den Handel auswirken, bei dem ein unmittelbarer Kontakt stattfindet. Im Großhandel könnte die Bedeutung der E-Commerce-Modelle zunehmen.

Eurocommerce schlägt vor, dass die im Rahmen des Sozialen Dialogs eingesetzte Arbeitsgruppe "Großhandel" die Auswirkungen auf den Großhandel beobachte.

>Der Ausschuss beschließt, dass die Sozialpartner die weiteren Entwicklungen beobachten, sich beraten und bei Bedarf gemeinsame Maßnahmen ergreifen werden. Im Augenblick bleibt die Frage auf der Tagesordnung.

7. Indikatoren für die Qualität der Arbeit

Der Vorsitzende bestätigt, dass Informationen über die Arbeiten der Kommission, z. B. über die Mitteilung bezüglich der Qualität in der Beschäftigungspolitik und in der Sozialpolitik, vorliegen, und dass der Beschäftigungsausschuss die Frage mit Blick auf die Ratstagung „Soziales und Beschäftigung" im Dezember eingehend bespreche.

>Der Ausschuss kommt zu dem Ergebnis, dass es für die Arbeitgeber und die Arbeitnehmer nützlich ist, diese Frage im Rahmen des Sektoralen Sozialen Dialogs zu erörtern. Die Qualität der Arbeit hängt von der Arbeitsorganisation und von den tatsächlichen Arbeitsbeziehungen im Handel ab. Die Indikatoren für die Qualität der Arbeit werden Bestandteil der vorbereitenden Untersuchung der Arbeitsbedingungen und der Ausbildung im Handel sein (Punkt 8 der Tagesordnung).

8. Informationen über das im Rahmen der Haushaltslinie B3-4000 durchgeführte Projekt über die Arbeitsbedingungen und Ausbildungsmöglichkeiten im Handel

Der Antrag auf Finanzierung im Rahmen der EU-Haushaltslinie B3-4000 wurde von Eurocommerce im Namen der Sozialpartner eingereicht. Eurocommerce wird eine Universität oder ein von einer Universität abhängiges Forschungszentrum mit den Forschungsarbeiten beauftragen.

Die konkreten Ergebnisse der Untersuchung werden für Mai 2003 erwartet, sofern das Projekt von den Dienststellen der Kommission angenommen wird. Die Sozialpartner leiten und überwachen das Projekt. Eine umfassende und aktive Beteiligung der Sozialpartner aus den Mitgliedstaaten ist unerlässlich.

9. Verschiedenes

9.1. Arbeitsgruppe „Handelsvertreter"

Uni-Europa und Eurocommerce berichten über die Sitzung der Arbeitsgruppe „Handelsvertreter" vom 11. Oktober 2001. Veränderte Geschäftsmodelle im Großhandel und die IKT bleiben nicht ohne Folgen für die Handelsvertreter. Die Sitzung der Arbeitsgruppe ist als positiv zu bewerten, wenn man berücksichtigt, wie kompliziert und verschieden die Beschäftigungslage und die Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen sind (Arbeitnehmer, Personen in einem arbeitnehmerähnlichen, jedoch abhängigen Beschäftigungsverhältnis, selbständig Beschäftigte usw.).

Die Arbeitsgruppe wird erörtern, wie der Soziale Dialog auf die Bewältigung des Wandels Einfluss nehmen kann. Die Arbeitsgruppe bittet die Dienststellen der Kommission, sich mit der neuen Stelle zur Bewältigung des Wandels in Dublin in Verbindung zu setzen, um zu ermitteln, wie die Beobachtungsstelle den Sozialpartnern helfen kann.

http://www.eurofound.ie/about/emcc.htm

9.2. Uni-Europa und Eurocommerce werden Sitzungen der Sekretariate abhalten, die das Follow-up der Sitzung planen sollen.

 

Vorsitz und Berichterstattung: Rudi Delarue, GD EMPL/D2